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Coronavirus

Oberösterreich: Ankauf teurer Corona-Schutzartikel über ÖVP-nahen Unternehmer wird geprüft

Die Gesundheitsholding des Landes kündigt eine interne Überprüfung an; die SPÖ will Aufklärung darüber, warum ein "ÖVP-Funktionär" den Zuschlag für den Auftrag erhielt. Seine Firma hatte der Mann erst am 1. April gegründet.

Mit Millionen-Aufträgen des Landes Oberösterreichs an einen der ÖVP nahestehenden Unternehmer für sehr teure Corona-Schutzkleidung wird sich am Donnerstag der Finanzausschuss befassen. Zudem hat die Oberösterreichische Gesundheitsholding (OÖG) ihre Interne Revision mit einer Überprüfung beauftragt.

Die für Gesundheit zuständige Landeshauptmannstellvertreterin, Christine Haberlander (ÖVP), hat am Montag angekündigt, Vertreter des Krisenstabes und der OÖG in den Finanzausschuss zu laden, "um dort über die Beschaffung der Schutzausrüstungen zu informieren". Zudem wird die Geschäftsführung der OÖG die Interne Revision beauftragen, die Beschaffungsvorgänge "auf Herz und Nieren zu prüfen", hieß es in der Aussendung weiter. Zweiteres bestätigte auch der dafür zuständige OÖG-Geschäftsführer, Harald Schöffl. "Eine transparente Darstellung ist uns besonders wichtig" meinte er zur Überprüfung, nicht zuletzt auch vor dem Hintergrund "einer möglicherweise noch folgenden Rechnungshofprüfung".

Firma erst am 1. April gegründet

Um insgesamt 70,3 Millionen Euro hatte die OÖG  ihrer Sprecherin, Jutta Oberweger, zufolge im Auftrag des Landes ab 17. März Corona-Schutzausrüstung beschafft. Viereinhalb Millionen Euro Liefervolumen entfielen auf die erst am 1. April gegründete Firma jenes Kommunikationsberaters mit Nähe zur ÖVP. Der Neo-Unternehmer soll dem Vernehmen nach pro Schutzkittel 7,70 Euro verlangt haben, der günstigste Anbieter hingegen nur 1,20 Euro. Oberweger hatte den Zuschlag für ihn damit gerechtfertigt, dass er nicht der teuerste gewesen sei, aber der einzige, der verfügbares und qualitativ passendes Material angeboten habe.

Die SPÖ fordert bereits seit der Vorwoche Aufklärung, warum ein" ÖVP-Funktionär für seine überteuerten Produkte vom Land Oberösterreich viereinhalb Millionen Euro erhalten und in einer ÖVP-Zeitung inseriert" habe. "Wenn die Offenlegung der Beschaffungsvorgänge seit dem Ausrufen des Internationalen Gesundheitsnotstandes zeigt, dass alles korrekt abgelaufen ist, ist auch gegen diese Inserate nichts einzuwenden." Ansonsten bleibe der "fahle Beigeschmack der Freunderlwirtschaft und Parteienfinanzierung über Dankeschön-Inserate", meinte der rote Gesundheitssprecher im Landtag, Peter Binder.

"Es müssen die Prozesse rund um diese Beschaffung nachgezeichnet und die Einhaltung der kaufmännischen Sorgfaltspflicht geprüft werden. Hier geht es um unser aller Steuergeld und es ist daher essenziell, dass Beschaffungsaufträge auch in Krisenzeiten und unter Handlungsdruck sauber und verantwortungsvoll abgewickelt werden", betonte auch die grüne Gesundheitssprecherin, Ulrike Schwarz. Am Mittwoch befasst sich der Aufsichtsrat der OÖG mit der Causa.

(APA)