Ob es sich bei der verbrannten Frau um eine Prostituierte handelt, bleibt offen. Dennoch gibt es erste Hinweise zu der Leiche. Am Freitag findet ein Treffen aller leitenden Kripo-Beamten im Bundeskriminalamt statt.
WIEN/EISENSTADT. War die verbrannte Frau, die am Dienstag auf einem Feld bei Nickelsdorf gefunden wurde, eine Prostituierte? Zwar können die Ermittler diese Frage (noch) nicht beantworten, dennoch gibt es erste Hinweise. Nach der Obduktion der Leiche steht nun das ungefähre Alter der Frau fest. Sie dürfte um die 50 Jahre alt gewesen sein. Sie war 155 Zentimeter groß und völlig zahnlos. Zwischen Todeszeitpunkt und Auffinden der Leiche liegen knapp zehn Stunden, stellten die Gerichtsmediziner fest. Somit dürfte der Todeszeitpunkt der Vormittag des 20. Juli sein.
Als eher ungewöhnlich werten die Ermittler, dass der Täter seinem Opfer den Schmuck nicht abgenommen hat. Die Polizei versucht nun, anhand der Uhr, des Halskettchens (mit Delfinanhänger), der Ohrstecker und eines Ringes die Identität der Frau festzustellen.
Aufgrund ihres Alters vermuten nun einige Ermittler, dass es sich in diesem Fall nicht um eine Prostituierte handelt und das Opfer somit nicht zu einer vermuteten Serie von Morden an Callgirls gehört. „Sie passt – auch vom Alter her – nicht ins idealtypische Bild einer Prostituierten“, meinte ein Beamter am Donnerstag. Andere wiederum halten es aber nach wie vor für möglich, dass die Unbekannte das fünfte Opfer eines Täters ist, der es auf Prostituierte abgesehen hat.
Laut Informationen der „Presse“ findet heute, Freitag, im Bundeskriminalamt (BK) ein brisantes Treffen statt: Alle leitenden Kripo-Beamten, die mit Ermittlungen in den ähnlich gelagerten Mordfällen betraut sind, werden ihre bisherigen Daten und Ergebnisse abgleichen. Dann soll entschieden werden, ob im BK eine Sonderkommission eingerichtet wird.
Parallel haben die heimischen Fahnder längst auch mit Kriminalisten aus dem benachbarten Ausland Verbindung aufgenommen. Das Landeskriminalamt Niederösterreich wurde außerdem zur Tatortarbeit zugezogen. Es sollen mögliche Gemeinsamkeiten zwischen den zwei Fällen in Niederösterreich und jenem im Burgenland abgeklärt werden.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 23.07.2010)