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Illegales Holz für Ikea-Sitzmöbel?

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Das Holz für Ikea-Sitzmöbel soll Medienberichten zufolge trotz Gütesiegel illegaler Herkunft sein. Das Gütesiegelinstitut FSC will Untersuchungen einleiten. Der Konzern vertraut weiter auf FSC.

Holz, das illegal im ukrainischen Teil der Karpaten geschlägert wurde, soll zur Herstellung von Sitzmöbel verwendet worden sein. Abnehmer war der Konzern Ikea, berichtet die Rechercheplattform "Addendum" nach Recherchen mit der Umwelt-NGO Earthsight. Es handle sich dabei um Holz, das trotz seiner Herkunft das FSC-Gütesiegel trägt. Das Institut kündigte Untersuchungen an.

Das FSC-Siegel (Forest Stewardship Council) sollte eigentlich die
Einhaltung von Umwelt- und Sozialstandards garantieren, ebenso auch
eine "gesetzeskonforme Bewirtschaftung der Wälder", wie Addendum
schreibt. Das dahinterstehende Gütesiegelinstitut gab aufgrund der
Vorwürfe an, nun Untersuchungen einzuleiten. Der schwedische Konzern
Ikea ging erst im Vorjahr die Selbstverpflichtung ein, bis 2020 nur
noch Holz von FSC-zertifizierten Betrieben zu verwenden, was den
Unmut mancher Waldbesitzer ohne dieses Siegel zur Folge hatte.

Die letzten Urwälder Europas

Die Waldkarpaten beherbergen einen Großteil der verbliebenen
Urwälder des europäischen Kontinents - und gerade dort sollen laut
der britischen NGO Rodungen während der gesetzlich geregelten
Ruhezeit für die dort lebenden Tierarten durchgeführt worden sein,
berichtete "Addendum". Einige der Fällungen soll ein ukrainisches
Unternehmen als Konzessionsnehmer der Staatsforste selbst
durchgeführt haben, andere eine regionale Forstgesellschaft, die
dann an die Firma weiter verkauft haben soll.

2018 sollen von der Firma rund insgesamt 3.800 Tonnen Holz an
einen Ikea-Produzenten in Rumänien verkauft worden sein, ein Teil
davon stamme aus den Karpaten. Die Firma in Rumänien stellt als
einer von rund 1.800 Zulieferern mehrere Sitzmöbel aus Holz für Ikea
her, der Rechercheplattform vorliegende Zolldaten würden zudem
beweisen, dass ein kleinerer Teil der Produktion auch direkt an Ikea
verkauft worden sei.

Untersuchungen geplant

"Addendum" schrieb weiter, dass die Ikea-Zentrale aufgrund der
Vorwürfe ein Gespräch mit einem firmeneigenen Forstexperten in die
Wege geleitet habe. Dieser habe jegliche Vorwürfe als "aus dem
Kontext gerissen" bezeichnet, es gebe "kein Indiz für illegalen
Einschlag oder anderes illegales Verhalten" - man vertraue FSC.
Fällungen während der Ruhezeiten wären zudem zum Teil auch erlaubt.

FSC wiederum soll in einer Stellungnahme gegenüber Earthsight
erst festgehalten haben, dass "die Ruheperiode auf alle Forstgebiete
angewendet wird, unabhängig der Verbreitung von Tieren". Gegenüber
"Addendum" wurde dann jedoch erklärt, dass dieses Gesetz "offen für
Interpretationen" sei, ein Einschlag daher erlaubt wäre und "die
Firma nichts falsch gemacht hat". Man würde nun aber Untersuchungen
einleiten, um Klarheit zu schaffen.