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WWDC

Apples Anbiederung an Android

Apple-CEO Tim Cook
Apple-CEO Tim CookAPA/AFP/Apple Inc./BERNADETTE SI
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Auf der diesjährigen Apple-Entwicklerkonferenz WWDC wurde ein Ausblick auf die neuen iPhone-Funktionen gewährt. Viele sind Android-Nutzern längst bekannt.

Die Apple-Entwicklerkonferenz bringt naturgemäß keine neuen iPhones, keine Tablets oder Computer. Hardware ist Mangelware bei der Eröffnungspressekonferenz des wertvollsten Unternehmens der Welt. Was die WWDC (Wordwide Developer Conference) trotzdem so spannend macht?

Apples Art, sich und neue Funktionen zu präsentieren. Steve-Jobs-Nachfolger Tim Cook ging heuer sogar so weit und erklärte mit stolzer Brust: „Apple konzipiert das iPhone-Erlebnis neu mit iOS 14.“ Eine durchaus gewagte These. Inmitten einer perfekt inszenierten Pressekonferenz vor leeren Reihen, die aufgrund der Coronabestimmungen dieses Mal nicht live, sondern als Aufzeichnung über den Äther geschickt wurde, gibt es Erklärungen und Details zum überarbeiteten Betriebssystem für das iPhone.

„Neu“ ist dabei aber ein dehnbarer Begriff. Tatsächlich sind für eingefleischte iOS-Nutzer Begriffe wie „Widgets“, „App Library“, „Bild in Bild“-Funktion und Echtzeit-Übersetzung weniger bekannt. Für Anhänger des Google-Betriebssystems Android sind es jedoch bereits alte Bekannte.

Aus Alt mach Neu

Die wohl größte Änderung in iOS 14 sind die sogenannten Widgets. Es sind kleine Elemente auf dem Bildschirm, welche interaktiv genutzt werden können. Eine Mini-Anwendung, mit der zum Beispiel das Wetter als ein- oder mehrzeiliges Element auf dem Bildschirm fixiert werden kann. Beliebte Widgets sind Wetteranzeigen, Uhren oder der Kalender. Seit 2008 hat diese Funktion einen Fixplatz in Android. Mittlerweile fristet sie ein Nischendasein. Mit der Weiterentwicklung der Benachrichtigungszeile wurden die Widgets immer weiter hinter den Hintergrund gedrängt.

Hinzu kommt, dass auch Entwickler die Liebe zur Weiterentwicklung verloren haben, da sie zusätzlich zur App programmiert werden müssen - mit erheblichem Aufwand. Außerdem wurden sie durch die Akkusparmaßnahmen ausgebremst.

Das sind Hürden, die Apple mit großer Wahrscheinlichkeit überwinden wird. Aus Fehlern anderer zu lernen, war immer schon eine Stärke, die man seit jeher geschickt auszuspielen weiß. Zum Erfolg beitragen könnte das „Smart Stack Widget“, das anhand des Nutzungsverhaltens über den Tag verteilt unterschiedliche Widgets anzeigt.

iOS-Nutzer kommen zudem noch in den Genuss weiterer erprobter Android-Funktionen. Die „Bild in Bild“-Funktion erlaubt, ein Video abzuspielen, während man zum Beispiel ein E-Mail schreibt. Und Siri wird hintergründiger. Sie nimmt nicht mehr den ganzen Bildschirm ein, sondern erscheint nur noch als Punkt am unteren Bilschirmrand. Außerdem gesteht Apple Nutzern zu, künftig Browser- und E-Mail-App selbst auszuwählen. Ein längst überfälliger Schritt.

Der eigentliche Paukenschlag

Nach 15 Jahren macht Apple Schluss mit Intel. Für den ehemaligen Intel-Mitarbeiter François Piednoël kommt der Schritt nicht überraschend. Gegenüber dem Magazin PC-Gamer erklärt er, dass die „miese Qualitätssicherung“ in den Skylake-Prozessoren zu dem Schritt geführt habe. Für Apple sind Prozessoren kein neues Feld. Die iPhone-Prozessoren werden schon seit Jahren im Haus entwickelt. Die dafür verwendete ARM-Architektur wird dann plattformübergreifend funktionieren. Die „Apple Silicon“-Prozessoren sollen ab 2022 in den Rechnern zum Einsatz kommen.