Stresstest: "Kriterien nicht die härtesten aller Welten"

The headquarters of Deutsche Bank are pictured next to traffic sign that reads stop here on red ligh
(c) REUTERS (Ralph Orlowski)

Zehn Prozent der 91 geprüften europäischen Banken dürften den Banken-Stresstest nicht bestanden haben - darunter mehrere spanische Sparkassen. Indes verstummt die Kritik an der Sinnhaftigkeit des Tests nicht.

Freitagbend um 18 Uhr veröffentlicht die Vereinigung der europäischen Bankaufseher (CEBS) die Ergebnisse des großen "Banken-Stresstests", dem sich EU-weit 91 Finanzinstitute unterziehen mussten. Geprüft wurden die Auswirkungen eines Konjunktureinbruchs sowie eines Kursverfalls von Staatsanleihen auf die Bankbilanzen. Das Ergebnis soll zeigen, welche Banken für eine neuerliche Krise gerüstet sind. Der Test gilt als bestanden, wenn die Kernkapitalquote einer Bank in den Szenarien nicht unter 6 Prozent rutscht.

Was ist die Kernkapitalquote?

Mit ihrer Hilfe kann die Kapitalstruktur von Bankinstituten analysiert werden. Die Quote gibt den Anteil der durch Eigenmittel gedeckten, anrechnungspflichtigen risikotragenden Aktiva, insbesondere Kredite, an.

Aus Österreich nehmen die Erste Group und die RZB-Gruppe teil, beide Institute haben laut Vorabinformationen den Test bestanden. Es gibt aber unterschiedliche Informationen, wie sie im internationalen Vergleich abgeschnitten haben. Die Bank Austria ist auch geprüft worden, das Ergebnis fließt aber beim Mutterunternehmen UniCredit in Italien ein.

Zittern bei spanischen Sparkassen

Mehrere spanische Sparkassen haben einem Zeitungsbericht zufolge den Banken-Stresstest nicht bestanden. Eine kleine Gruppe der 18 Sparkassen des Landes bräuchte mehr Kapital, sollten sich die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen verschlechtern, berichtete die Zeitung "El Pais" heute, Freitag, unter Berufung auf Finanzkreise. Darunter seien auch Institute, die vom spanischen Staatsfonds (FROB) bereits Mittel erhalten hätten.

Insgesamt dürften zehn der 91 getesteten Institute den Test nach Einschätzung von 376 befragten Finanzexperten nicht bestehen, geht aus einer am Donnerstagabend veröffentlichten Umfrage der US-Bank Goldman Sachs hervor. In der Folge müssten die Banken knapp 38 Milliarden Euro an frischem Kapital aufnehmen, lautet die durchschnittliche Erwartung der Investoren. Betroffen dürften vor allem Banken in Spanien, Deutschland und Griechenland sein.

Entspannung in Deutschland

Indes erwarten die deutschen Privatbanken durch die Ergebnisse des europäischen Stresstests ein positives Signal für Branche und Märkte. Der Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes deutscher Banken, Manfred Weber, sagte Freitag früh im Deutschlandfunk, er sei zuversichtlich, dass die deutschen Institute bei der Belastungsprobe "insgesamt gut" abschneiden werden. Auch das europäische Bankensystem werde besser abschneiden als von vielen erwartet. "Wir sind auf gutem Weg, die richtigen Lehren aus der Krise zu ziehen", sagte Weber.

Von den teilnehmenden deutschen Instituten dürften dies Finanzkreisen zufolge nahezu alle geschafft haben, nur der Münchener Immobilienfinanzierer Hypo Real Estate ist nach Reuters-Informationen durchgefallen. Weber wollte sich dazu nicht äußern. "Berichte zu einzelnen Häusern will ich nicht weiter kommentieren", sagte er.

"Kein weich gespülter Test"

Er wies zugleich Vorwürfe zurück, der Test sei zu lasch ausgefallen. Von einer "weich gespülten" Belastungsprobe könne nicht die Rede sein. Wenn Banken den Test bestehen, hätten sie tatsächlich genügend Kapital, um schwierige Situationen zu überstehen. Weber äußerte sich überzeugt, dass der Stresstest ein "beruhigender Beitrag" für die Finanzmärkte sein werde.

Politiker hatten auf den Stresstest gedrungen, um Vertrauen an den Finanzmärkten zu schaffen. Die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel sagte, die Vorgaben für den Test seien sehr realistisch. Um die technische Umsetzung sei lange gerungen worden.

"Kriterien nicht die härtesten aller Welten"

Bei Analysten sind die Zweifel noch nicht ausgeräumt: "Wenn alle Banken durchkommen, werden die Investoren fragen, ob der Test wirklich hart genug war", sagte Arturo de Frias von Evolution Securities. "Kein Staat kann sich erlauben, dass ein Großteil seiner Banken diesen Stresstest nicht besteht. Es hat also einen großen Teil politischer Kosmetik", sagte Udo Steffens, Präsident der Frankfurt School of Finance, zu Reuters TV.

Auch an der Börse werden die Einzelergebnisse der Banken mit Spannung erwartet. "Im Prinzip ist ja schon klar, wie viele Banken durchgefallen sind. Viel interessanter sind daher die Details zu den Test-Kriterien", sagte ein Börsianer. Die europäischen Bankaktien lagen vor der Veröffentlichung der Ergebnisse leicht im Minus.

Die Aussagekraft des Tests sei beschränkt, "weil wir durchaus wissen, dass die Kriterien nicht die härtesten aller Welten sind", sagte der Frankfurter Bankenexperte Udo Steffens. Der Stresstest beantworte nur zum Teil, wie es zu schaffen sei, wieder ein vitales und vertrauenswürdiges Banksystem herzustellen, sagte der Präsident der Frankfurt School of Finance & Management der Finanz-Nachrichtenagentur dpa-AFX.