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Fahrbericht

Mercedes GLS: Wenn schon SUV, dann bitte so

Die S-Klasse unter den SUV, in den USA geht es freilich noch größer: Der Chevrolet Suburban kommt auf eine Länge von 5,7 Metern.
Die S-Klasse unter den SUV, in den USA geht es freilich noch größer: Der Chevrolet Suburban kommt auf eine Länge von 5,7 Metern.(c) Die Presse/Clemens Fabry (Clemens Fabry)
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Mit einem noch größeren Fahrzeug kann man auf Österreichs Straßen mit B-Führerschein nicht unterwegs sein. Der Mercedes GLS ist mit seinen 5,2 Meter Länge ein Landhaus auf Rädern – ein recht luxuriöses.

Wien. Größe ist ja, wie die Zeit, relativ. In den USA gibt es beispielsweise den Chevrolet Suburban, ein SUV, das 5,7 Meter lang ist (übrigens das beliebteste Dienstfahrzeug von FBI, CIA und Secret Service). Den Ford Expedition gibt es in einer Langversion mit 5,6 Metern, und der Nissan Armada – man beachte den klingenden Namen, der auch von Opel sein könnte – kommt auf 5,3 Meter.

Im Vergleich mit diesen Schlachtschiffen ist der Mercedes GLS fast schon ein Kompakt-SUV. Relativ gesehen. Auf unseren Straßen dagegen gibt es wenige Autos, die die 5,2 Meter des GLS übertreffen und die man noch mit dem B-Führerschein fahren darf.

5207 Millimeter sind eine recht ordentliche Länge. Man könnte schon für einen Linienbus der Wiener Verkehrsbetriebe gehalten werden, in italienischen Dörfern in ziemliche Probleme kommen (von Tiefgaragen reden wir gar nicht), vor allem aber könnte man mit solch einem SUV in Zeiten wie diesen Unruhen auslösen.

 

Massagesitze und Tablet

Daher die wohl überraschendste Feststellung nach unserem kurzen Fahrtest mit dem Mercedes: Nie hat uns jemand auch nur leicht schräg angeschaut, geschweige denn mit dem Mittelfinger gegrüßt oder mit Eiern freilaufender Biohühner beworfen. Der GLS ist trotz seiner Größe sozial verträglich und akzeptiert, wie sonst nur ein Range Rover. Man stelle sich vor, eine andere Stuttgarter Autoschmiede würde so ein SUV auf die Straße bringen . . .

Man kann also ohne Sorge vor mutwilligen Lackkratzern genießen, was einem Mercedes auf den 5,2 Metern bietet: Beispielsweise eine zweite Sitzreihe, die dank eines Radstands von 3,14 Metern an die Businessclass besserer Fluglinien erinnert. Mit einem abnehmbaren Sieben-Zoll-Tablet, mit dessen Hilfe die Fondpassagiere nicht nur ihre Klimazone steuern (insgesamt gibt es fünf), sondern sich auch mit Filmen, Musik und Internet unterhalten können.

(c) Die Presse/Clemens Fabry



Sogar in der dritten Reihe – natürlich wie alle anderen serienmäßig elektrisch verstellbar – sitzt man als groß gewachsener Mensch besser als in manchen Konkurrenzmodellen in der zweiten. Legt man alle Sitze um, hat man eine kleine Wohnung zur Verfügung: 2400 Liter fasst der GLS.

Wir saßen dennoch am liebsten links vorn. Nicht nur wegen des Massagesitzes mit seinen verschiedenen Programmen, von entspannend bis aktivierend – den hat der Beifahrer auch –, sondern wegen des Fahrgefühls. Man bewegt hier 2415 Kilogramm Eigengewicht, dennoch fühlt sich der GLS nie schwerfällig an. Sogar im Comfort-Modus reagiert er auf jeden Stupser des rechten Fußes. In unserem Fall half dabei ein Sechszylinder-Dieselmotor mit drei Litern Hubraum und 330 PS, der ein beachtliches Drehmoment von 700 Nm liefert. Im Wageninneren hört man nur ein leichtes Schnurren des Motors – vorausgesetzt, man hört genau hin. In Kombination mit der unauffällig schaltenden Neungang-Automatik schwebt man von der Fahrbahn entkoppelt mit einem Verbrauch von knapp unter zehn Litern durch die Landschaft. Manchmal zu sanft, aber dank des aktiven Fahrwerks kann man den GLS straffer einstellen. Im Comfort-Modus ist er doch sehr auf den US-Markt ausgelegt.

Und damit sind wir wieder bei der Relativität. Bei uns kostet die höhergestellte S-Klasse wegen der staatlichen Zuschläge in Form von Mehrwertsteuer und NoVA, die den Nettoverkaufspreis in Summe um etwa 45 Prozent erhöhen, ab knapp über 100.000 Euro. In den USA dagegen gibt es den GLS ab 70.150 Dollar. Das ist relativ billig.

Compliance-Hinweis: Die Reisen zu Produktpräsentationen wurden von den Herstellern unterstützt. Testfahrzeuge wurden kostenfrei zur Verfügung gestellt.

Daten

Maße: L/B/H: 5207/2030/1828 mm; Radstand: 3135 mm; Leergewicht (EU): 2490 Kilogramm; zugelassene Sitzplatzanzahl: sieben.

Antrieb: R-Sechszylinder-Diesel; Hubraum: 2925 ccm; Nennleistung: 243 kW (330 PS); Vmax: 238 km/h; 0–100 km/h: 6,3 Sek.; Neungang-Automatik; Verbrauch (NEFZ): 6,1 l/100 km; CO2-Emissionen: 187 bis 197 g/km;

Testverbauch: 9,8 l/100 km.

Preis: ab 100.800 Euro; Testauto: 146.486,64 Euro.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 26.06.2020)