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Agrarchemie

Bayer erzielt langersehnten Vergleich

Um Klagen wegen Roundup beizulegen, zahlt Bayer bis zu elf Mrd. Dollar.
Um Klagen wegen Roundup beizulegen, zahlt Bayer bis zu elf Mrd. Dollar.(c) REUTERS (Mike Blake)
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Das Unternehmen zahlt bis zu elf Mrd. Dollar und legt damit drei Viertel der Klagen wegen seines Unkrautvernichters Glyphosat bei. Die Aktionäre atmen auf.

Leverkusen. Bayer befreit sich von den Altlasten aus der Monsanto-Übernahme: Der deutsche Pharma- und Agrarchemiekonzern hat sich im Streit um den angeblich krebserregenden glyphosathaltigen Unkrautvernichter Roundup in den USA mit einem Großteil der Kläger auf einen Vergleich geeinigt. Dafür muss Bayer tief in die Tasche greifen – für den Vergleich und mögliche künftige Fälle werden bis zu 10,9 Mrd. Dollar fällig, wie das Unternehmen mitteilte. Damit seien etwa drei Viertel der insgesamt 125.000 eingereichten und drohenden Klagen vom Tisch.
Auch andere Klagen zum Unkrautvernichter Dicamba und zur Chemikalie PCB, die sich Bayer mit der 63 Mrd. Dollar teuren Übernahme des Glyphosat-Entwicklers Monsanto eingehandelt hatte, sollen beigelegt werden.

 

Rückendeckung durch EPA

„Der Roundup-Vergleich ist für Bayer der richtige Schritt zum richtigen Zeitpunkt, um eine lange Periode der Unsicherheit zu einem Ende zu bringen“, sagte Vorstandschef Werner Baumann. Er meinte aber auch, dass Bayer „furchtbar viel Geld“ für ein Produkt zahle, das völlig im Einklang mit den regulatorischen Vorgaben stehe. Die Vorwürfe gegen Glyphosat hat der Konzern stets zurückgewiesen und darauf verwiesen, dass Zulassungsbehörden weltweit das Herbizid bei sachgemäßer Anwendung als sicher bewerten. Auch die US-Umweltbehörde EPA gab Bayer Rückendeckung und hatte Warnhinweise auf mögliche Krebsgefahren verboten.

Nur die Krebsforschungsagentur IARC stufte den Wirkstoff 2015 als „wahrscheinlich krebserregend“ ein, auf ihre Einschätzung beriefen sich die Kläger. Bayer will den glyphosathaltigen Unkrautvernichter Roundup von Monsanto nun weiter ohne Einschränkungen verkaufen. Baumann erklärte, Bayer habe sich für den Vergleich entschieden, weil ein jahrelanger Prozessmarathon in den USA mit ungewissem Ausgang wahrscheinlich weit teurer geworden wäre. Der Vorstand erwartet, auch mit den übrigen Fällen kurzfristig eine Vereinbarung erzielen zu können.

Die laufenden Verfahren kosten Bayer zwischen 8,8 und 9,6 Milliarden Dollar, für potenziell künftige Klagen sind 1,25 Milliarden reserviert. Der Vereinbarung für mögliche künftige Fälle muss noch ein US-Bezirksrichter zustimmen. Im Rahmen der Vereinbarung soll ein unabhängiges Wissenschaftsgremium eingerichtet werden, das entscheiden soll, ob Roundup Lymphdrüsenkrebs verursacht. Bayer erklärte, sowohl die Gruppe möglicher künftiger Kläger als auch das Unternehmen selbst seien an die Entscheidung des Gremiums gebunden. Die Entscheidung dürfte allerdings rund vier Jahre in Anspruch nehmen. Solange dürften die künftigen Kläger keine Ansprüche geltend machen und Schadenersatz fordern.

 

Tiermedizinsparte vor Verkauf

„Bayer ist nicht komplett aus dem Schneider, sondern versucht, so viel wie möglich zu tun, um die Unsicherheiten zu mindern“, sagte Adam Zimmerman, Rechtsprofessor an der Loyola Law School. Die erste Zahlung für den Vergleich erwartet der Vorstand noch in diesem Jahr. Bayer hat 2020 und 2021 je maximal fünf Milliarden Dollar dafür eingeplant. Das Geld soll aus dem Mittelbestand, künftigen Überschüssen und dem Verkauf des Tiergesundheits-Geschäfts um 7,6 Milliarden Dollar kommen. Eine weitere Möglichkeit sind zusätzliche Anleiheemissionen. Dabei geht Bayer davon aus, sein Investment-Grade-Rating zu behalten. Auch die bisherige Dividendenpolitik soll bleiben.

Die Monsanto-Übernahme belastet den Konzern seit zwei Jahren, der Aktienkurs ist seitdem um 30 Prozent gefallen. (Reuters/red.)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 26.06.2020)