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Coronavirus

Wo die Kurve nicht abflacht

Einige Bundesstaaten in Brasilien haben mit den Lockerungen der Ausgangsbeschränkungen begonnen.
Einige Bundesstaaten in Brasilien haben mit den Lockerungen der Ausgangsbeschränkungen begonnen.(c) APA/AFP/CARL DE SOUZA
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In Brasilien und den USA verbreitet sich das Virus weiterhin rasant schnell. Weltweit werden bald zehn Millionen Menschen mit Covid-19 infiziert sein.

Brasília/Washington. Trotz aller Erfolge des weltweiten Lockdown steigt die Zahl der Corona-Infizierten unaufhörlich und dürfte alsbald die Zehn-Millionen-Grenze erreichen. Bis heute haben sich rund 9,4 Millionen Menschen weltweit mit Sars-CoV-2 infiziert, etwa 478.130 sind an den Folgen gestorben. Für einen Großteil des Anstieges sind Länder wie Brasilien und die USA verantwortlich.

Allein in Brasilien haben sich innerhalb von 24 Stunden mehr als 42.700 Menschen mit dem Coronavirus infiziert, wie das Gesundheitsministerium meldete. Es ist die bisher zweithöchste Zahl von registrierten Neuinfektionen im bevölkerungsreichsten Land Lateinamerikas. Die Kurve befindet sich weiterhin in einem steilen Anstieg, und es ist noch die erste Ausbreitungswelle, sagen Virologen. 1,18 Millionen Brasilianer haben sich mit dem Coronavirus infiziert, die Todeszahl ist zuletzt auf 52.830 geklettert. Eine düstere Prognose zeichnet indessen das medizinische Institut IHME in Washington für Brasilien und weitere südamerikanische Länder. Mehr als 166.000 Brasilianer könnten an den Folgen der Infektion sterben, und wenn Restriktionen wie etwa das Tragen von Gesichtsmasken gar nicht mehr eingehalten werden, dann müsse man mit mehr als doppelt so vielen Opfern rechnen. Tatsächlich haben einige Bundesstaaten mit den Lockerungen der Ausgangsbeschränkungen begonnen. Äußerst umstritten ist das Krisenmanagement des Präsidenten Jair Bolsonaro, der selbst die Restriktionen nicht ernst nimmt.

 

Warnung für Europa

Lateinamerika hat sich zu einem Hotspot der Pandemie entwickelt: Große Armut, dichte Siedlungen und mangelnde Gesundheitsversorgung haben zu einer Verdreifachung der Fälle von 690.000 innerhalb eines Monats auf zwei Millionen geführt.

Ebenso rasant wie in Brasilien breitet sich das Virus in den USA aus. Nach Angaben der Johns-Hopkins-Universität wurden binnen 24 Stunden 35.900 neue Infektionsfälle verzeichnet – fast so viele wie zum bisherigen Höhepunkt der Krise im April. Besonders deutlich ist der Anstieg der Zahlen im Süden des Landes. Die Staaten New York, New Jersey und Connecticut ordneten deshalb an, dass aus mehreren Staaten des Südens kommende Reisende in Quarantäne müssen. Die Gesamtzahl der registrierten Infektionen in den USA liegt nach Angaben der Universität bei knapp 2,4 Millionen.

Einen besorgniserregenden Anstieg der Infektionszahlen vermeldet auch Russland: mehr als 7100 neue Fälle binnen 24 Stunden; in etwa so viel waren es auch in den 24 Stunden zuvor. Die WHO hat indessen die europäischen Länder vor steigenden Fallzahlen gewarnt – trotz Monaten der sinkenden Infektionszahlen. (ag.)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 26.06.2020)