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Coronavirus

Texas legt Lockerungen wegen neuer Infektionen auf Eis

Bowlingcenter in Austin, Texas
Bowlingcenter in Austin, TexasAPA/AFP/SERGIO FLORES
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Gouverneur Greg Abbott erklärte weitere Phasen der Wiedereröffnung würden vorerst ausgesetzt. Gesundheitsbehörde: "Für jeden Fall, den wir verzeichnet haben, gab es wahrscheinlich zehn weitere Infektionen."

Angesichts eines rapiden Anstiegs der Infektionszahlen legt der US-Bundesstaat Texas weitere Lockerungen der Coronavirus-Beschränkungen auf Eis. Gouverneur Greg Abbott erklärte am Donnerstag, weitere Phasen der Wiedereröffnung würden vorerst ausgesetzt. Bisherige Lockerungen würden aber nicht rückgängig gemacht.

"Während wir eine Zunahme von Covid-19-Fällen und Krankenhauseinlieferungen erleben, konzentrieren wir uns auf Strategien, um die Ausbreitung des Virus zu verlangsamen und gleichzeitig Texanern zu erlauben, Geld für ihre Familien zu verdienen", erklärte der Politiker der Republikanischen Partei von Präsident Donald Trump. "Geschäfte wieder zu schließen ist das Letzte, was wir als Bundesstaat wollen."

Die derzeitige Pause bei den Corona-Lockerungen werde helfen, die Ausbreitung des Virus einzudämmen, erklärte Abbott. Der Gouverneur rief die Bevölkerung auf, Schutzmasken zu tragen, sich regelmäßig die Hände zu waschen und Abstandsregeln einzuhalten.

Texas und südliche Bundesstaaten schwer betroffen

Texas und eine Reihe weiterer US-Bundesstaaten erleben derzeit die höchste Zahl neuer Coronavirus-Infektionen seit Beginn der Krise. Texas war auch einer jener Staaten, die Anfang Juni bei der Lockerung der Corona-Beschränkungen vorgeprescht waren. Experten hatten vor einer zu schnellen Rückkehr zur Normalität gewarnt.

In den USA wurden bereits knapp 2,4 Millionen Coronavirus-Infektionen und mehr als 122.000 Tote registriert. Das sind die mit Abstand höchsten Zahlen weltweit.

Deutlich mehr Amerikaner infiziert als bekannt

Nach Schätzungen der Gesundheitsbehörde CDC sind in den USA wohl rund zehnmal mehr Menschen mit dem Coronavirus infiziert als bisher bekannt. "Für jeden Fall, den wir verzeichnet haben, gab es wahrscheinlich zehn weitere Infektionen", sagte CDC-Direktor Robert Redfield bei einer telefonischen Pressekonferenz am Donnerstag.

Das sei vor allem auf asymptomatische Infektionen zurückzuführen und darauf, dass in den USA in den ersten Monaten des Ausbruchs deutlich weniger getestet worden sei als jetzt. "Mit den Methoden, die wir im April und Mai benutzt haben, haben wir wahrscheinlich rund zehn Prozent der Infektionen verzeichnet."

Die Behörde gibt derzeit für die USA mehr als 2,3 Millionen bekannte Corona-Infektionen an - mehr nachgewiesene Fälle als jedes andere Land der Welt. Mehr als 121 000 Menschen starben laut CDC infolge einer Covid-19-Erkrankung.

Derzeit würden viele Neuinfektionen bei jüngeren Menschen festgestellt. "Die haben wir in der Vergangenheit wahrscheinlich einfach nicht diagnostiziert." Die steigende Zahl der Neuinfektionen vor allem in südlichen Bundesstaaten besorge ihn sehr, sagte Redfield. Allerdings seien nur rund 110 Landkreise derzeit wirkliche "Hotspots". Er wolle aber nichts herunterspielen, so Redfield. "Das ist eine bedeutendes Ereignis und wir sind natürlich besorgt." Die Hygiene- und Abstandsregeln sollten unbedingt weiter eingehalten werden, vor allem von besonders gefährdeten Menschen mit Vorerkrankungen.

Zu einer Corona-Warn-App gebe es derzeit keine konkreten landesübergreifenden Überlegungen, sagte Jay Butler, der beim CDC für Infektionskrankheiten zuständig ist. Solche Apps hätten "viel Verheißungsvolles, aber auch viele Herausforderungen", sagte Butler. Die Autorität über das Vorgehen bleibe bei den lokalen und regionalen Behörden.

 

(APA)