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Kaiser ohne Kleider

Sollte es schon das Bild des Wahlkampfs gewesen sein?

Donald Trump, ausgepumpt wie ein (an)geschlagener Boxer, mit leerem Blick, gesenktem Kopf, offenem Hemd und an den Schultern herunterbaumelnder Krawatte nach dem Auftritt in Tulsa vor halbleeren Rängen. Nach der Landung des Hubschraubers zu nächtlicher Stunde vor dem Weißen Haus raffte sich der Präsident zu einer müden Siegergeste auf. Donald Trump, der Old-School-Anhänger des Dresscodes – nicht der Manieren und der Sprache –, wirkte wie ein Kaiser ohne Kleider. Good News für seine Gegner.

2016 wiegelte er seine Wähler mit der Parole „Lock her up“ („Sperrt sie ein“) gegen Hillary Clinton auf. Jetzt kämpft er gegen einen unsichtbaren Feind, das „Wuhan-Virus“. „Kung-Flu“, so lautet sein Schlachtruf, der auf johlendes Echo stößt – als hätte er zu viele Bruce-Lee-Filme gesehen oder die TV-Serie „Kung Fu“.

Womöglich dient ihm Brad Pitt als Inspiration, der in einer ikonisch-komischen Szene des Tarantino-Films „Once Upon A Time In Hollywood“ Großmaul Bruce Lee kickt, boxt und schlägt. Joe Biden hatte Trump einmal eine Schulhofprügelei angedroht. Biden ist indes kein bisschen ein Pitt, was fürs Erste eine gute Nachricht für Donald Trump ist. Denn Trump liebt Wrestling. Als Catcher im freien Stil macht er, mit oder ohne Krawatte, gute Figur. (vier)

Reaktionen an: thomas.vieregge@diepresse.com