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Handwerk

Wie in alten Zeiten: Vom Nähen und Backen

Jan Vermeers „Dienstmagd mit Milchkrug“ (1658-1660). In der Krise entdecken wir die „einfachen“ Genüsse: selbst gemachtes Brot, selbst angesetztes Joghurt.
Jan Vermeers „Dienstmagd mit Milchkrug“ (1658-1660). In der Krise entdecken wir die „einfachen“ Genüsse: selbst gemachtes Brot, selbst angesetztes Joghurt.Corbis via Getty Images
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Bald war der Germ ausverkauft, und zu Hause nähten wir unsere erste Maske oder pflanzten Kräuter: wie alte Kulturtechniken uns in unsicheren Tagen ein Gefühl von Kontrolle vermitteln.

Meist dauert es zwei, drei Wochen. Oft auch länger. Tagtäglich wirft man einen erst neugierigen, dann zunehmend besorgten Blick in die mit Kräutererde gefüllten Töpfe. Und siehe da: Hier grünt doch was! Den Anfang macht die Kapuzinerkresse, dieses dankbare Kraut. Dann folgt der Bio-Schnittknoblauch mit ein, zwei zarten Stängeln. Schließlich noch die Sonnenblume, eine nur. Kommt da noch was? War es das schon?

Der morgendliche Gang zum Fensterbrett: Er wird schon bald Routine – das Zupfen an gelben Blättern, an welken Blüten, das Beschneiden der Rosen, das Befühlen der Erde. Schmutzige Fingernägel. Und die Natur? Sie lohnt es uns. Sie wuchert und blüht. Oder entzieht sich uns: verkümmert, vergeht. Das kleine Gärtchen am Fenster oder auf dem Balkon ist unser Experimentierfeld in der großen Krise. Während draußen ein Virus sich der Kontrolle entzieht, bekämpfen wir drinnen den Mehltau auf der Minze mit verdünnter Milch und die Blattläuse auf der Margarite mit Seifensud.