„Welche Wonne“– Die Worte der heimlichen Liebe

Seufzen, Schwärmen, Flehen: Die entzifferte Korrespondenz von Marie-Antoinette und Axel von Fersen ist nur ein Beispiel von vielen, wie sich verbotene Leidenschaft in Texten austobt. Zuweilen wird sogar große Literatur daraus.

In den Briefen geht es um Politik, um das Los der Königsfamilie, die im goldenen Käfig der Tuilerien ihrem Ende entgegen zittert. Axel von Fersen, der schwedische Baron, zeigt sich darin als loyaler Vertrauter von Marie-Antoinette, zurückhaltend und penibel, so wie Zeitgenossen ihn schildern. Aber was ist das? Jemand hat ganze Zeilen und Passagen kräftig durchgestrichen, unlesbar gemacht. Nach über zwei Jahrhunderten hat nun die Chemie das Geheimnis enthüllt: In den Tinten aus einem Absud von Galläpfeln, aus gelöstem Gummiarabikum und Eisensulfat finden sich auch Spuren von Kupfer und Zink – und ihr Gehalt variiert danach, wann und wo die Tinte fabriziert worden ist. Ein Spezialscanner und viel Rechnerleistung taten ihr Übriges: „Ich lebe und existiere nur, um Sie zu lieben“, lässt sich nun unter dem schwärzenden Gekritzel entziffern. „Niemals werde ich aufhören, Sie anzubeten“, erfährt alle Welt vom „schönen Schweden“. Und an einem Briefende schreibt er: „Adieu, meine teure Freundin, ich liebe Sie bis zum Wahnsinn.“