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Lokalkritik

Unter 20 Euro: Madai

Ums Eck vom Karmelitermarkt ist mit dem Madai ein „Aperitivobeisl“ eingezogen.
Ums Eck vom Karmelitermarkt ist mit dem Madai ein „Aperitivobeisl“ eingezogen.(c) Akos Burg
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Ums Eck vom Karmelitermarkt ist mit dem Madai ein „Aperitivobeisl“ eingezogen, in dem man sich durch die wöchentlich wechselnde Karte kosten sollte.

Ob die bereits wieder verlängerte frühe Sperrstunde dazu beigetragen hat, dass sich die Aperitifkultur in Wien verbreitet hat, lässt sich nur schwer sagen. Immerhin fällt schon seit ein paar Jahren auf, dass Plätze, an denen die italienische Tradition des Aperitivo gepflegt wird, gut besucht sind. Wir wollen wohl alle immer ein bisschen mehr Italien sein.

Das ist auch im neuen Madai im zweiten Wiener Bezirk zu beobachten, das sich gleich selbst den Beinamen Aperitivobeisl verpasst. Auf dem kleinen Ludwig-Hirsch-Platz, ums Eck vom Karmelitermarkt, ist nun nach dem „Zur Rezeption“ vom Grätzelhotel und der Trattoria Triestina das Madai eingezogen. Dahinter stehen drei Profis, die zuvor beim Motto-Catering tätig waren. Das Lokal wird von den Nachbarn gut angenommen, das merkt man allein daran, dass so mancher Gast zu später Stunde kurz verschwindet, um dann mit einer Jacke, die er schnell von zu Hause geholt hat, wieder aufzutauchen.

Mittags gibt es hier stets wechselnde Pasta, abends – neben einer ordentlichen Aperitif-Auswahl von guten Weinen, Sprudel, Amari und Bitters – ebenso stets wechselnde kleine Gerichte, die wie dafür gemacht sind, sich durch die Karte zu kosten. Und das sei hier durchaus empfohlen. Diese Woche waren das zum Beispiel eine wunderbar erfrischende Gazpacho von der roten Rübe mit Himbeere und Backerbsen (6 Euro), Vitello Tonno (7,80 Euro), so gut, dass man sich eingraben möchte – dazu übrigens überaus feines Brot –, ein leichtes Fenchelrisotto mit Orangen und Belper-Knollen (7,50 Euro) und ein überaus zarter Oktopus mit Erbsen-Minz-Creme, leicht scharfer sizilianischer Rohwurst Nduja und Erdäpfeln (9,50 Euro). Für das Schulterscherzel Tagliata muss man schnell sein, bevor es die anderen aufessen. Das Fleisch, das mit Kräutern, die in einer kleinen Vase stecken, serviert wurde, hat aber beim Nachbartisch köstlich ausgesehen. Aber das nutzt alles nichts, die Karte wechselt jede Woche. Man kann hier aber durchaus öfter sein Glück versuchen.

Madai: Große Sperlgasse 6, 1020 Wien, Mo.–Fr. 11–23, Sa. 9–23 Uhr, ✆ 01/890 17 46, www.madai.at

diepresse.com/essen

("Die Presse", Print-Ausgabe, 28.06.2020)