USA: Laute Kritik, die zum Teil verstummte

Laute Kritik Teil verstummte
(c) AP (Mark Lennihan)

Im Mai 2009 stellten die USA das Ergebnis ihres Stresstests vor. Die Hälfte der untersuchten Banken fiel durch. Experten sprechen von einem Wendepunkt.

New York. Was wurde damals gestritten: Bereits eine Woche, bevor Timothy Geithner die Resultate des US-Stresstests präsentierte, liefen die Banken dagegen Sturm. Sie hatten Wind davon bekommen, dass der Finanzminister vielen Instituten strenge Kapitalvorschriften auferlegen wollte. Geithner ließ sich zu Nachverhandlungen hinreißen. Er verschob die Vorstellung des Ergebnisses um drei Tage. Das brachte ihm wiederum laute Kritik aus der Bevölkerung ein. Der Minister sei zur Marionette der Banken verkommen, hieß es.

Trotzdem: Das Urteil, zu dem Geithner am 7. Mai des Vorjahres kam, kann durchaus als hart bezeichnet werden. Zehn der 19 untersuchten Firmen bestanden den Stresstest nicht. Am schlimmsten erwischte es das damals größte Finanzinstitut der Welt, die Bank of America. Das krisengeschüttelte Institut musste mehr als 33 Mrd. Dollar (26 Mrd. Euro) aufbringen, um als überlebensfähig kategorisiert zu werden. Nicht nur der ehemalige Firmenchef Kenneth Lewis sprach von einem „ziemlich harten Schlag“.

Gut ein Jahr später wird der Stresstest nahezu durchwegs als Erfolg gesehen. So standen vor allem die Bank of America und Citigroup Anfang 2009 am Abgrund. Nur ein milliardenschweres Rettungspaket der US-Regierung bewahrte die beiden Giganten vor dem Kollaps. Doch die im Zuge des Stresstests auferlegten Kapitalerfordernisse – Citigroup musste 5,5 Mrd. Dollar aufbringen – wurden von Investoren schlussendlich positiv aufgenommen.

 

Realistische Szenarien

Die Aktien der beiden Großbanken legten seit April des Vorjahres um mehr als ein Drittel zu. Und erst diese Woche gab Citigroup einen Quartalsgewinn von 2,7 Mrd. Dollar bekannt, die Bank of America erzielte ein Plus von 3,1 Mrd. Dollar. Zwar machen Analysten auch verschiedenste Bilanztricks für die Erfolge mitverantwortlich. Doch das Vertrauen der Bevölkerung wurde durch die nun höheren Kapitalrücklagen zumindest zum Teil wiedergewonnen.

„Der Stresstest war ein sehr, sehr wichtiger Schritt, um das Vertrauen in den Finanzsektor zurückzugewinnen“, sagte Robert Wescott vor wenigen Wochen in einem Interview mit der „Presse“. Laut dem ehemaligen Wirtschaftsberater von Ex-Präsident Bill Clinton sei der Test „transparent, nicht ausschließlich positiv und deshalb glaubwürdig“ gewesen.

Tatsächlich haben sich die von der US-Regierung unterstellten Szenarien als relativ realistisch erwiesen. Für die Kapitalerfordernisse der Banken wurden eine „realistische“ Erwartung sowie ein „Worst-Case-Szenario“ unterstellt.

Je nach Annahme erwartete das Finanzministerium einen Rückgang der Wirtschaftsleistung (BIP) für 2009 von zwei beziehungsweise 3,3 Prozent. Tatsächlich ging das BIP um 2,4 Prozent zurück. Um den Stresstest zu bestehen, mussten die Institute für den schlimmeren Fall, also ein Minus von 3,3 Prozent, gerüstet sein. Deshalb wurde Geithner mittlerweile von dem Vorwurf freigesprochen, zu „weich“ gewesen zu sein.

 

Risken bleiben bestehen

Einzig bei der Einschätzung des Arbeitsmarktes lag der Finanzminister gründlich daneben. Selbst das schlimmste Szenario einer Arbeitslosigkeit von 8,9 Prozent für 2009 wurde mit 9,3 Prozent deutlich überschritten. Kurzum: Während sich die Banken bereits erholen, merkt die Bevölkerung relativ wenig davon. Und genau darin liegt das momentan wohl größte Problem der US-Wirtschaft. Solange am Arbeitsmarkt keine Erholung zu spüren ist, werden viele Amerikaner den Milliardengewinnen der Banken weiterhin mit Skepsis gegenüberstehen.