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Randerscheinung

Die eigene, ganz persönliche Corona-Statistik

(c) Carolina Frank
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Über die „Überstreamlichkeit“ zu Hause und die Jagdhundegene des Hundes.

Der Jüngste kommt also an einem Donnerstag in der Früh ins Zimmer und fragt: "Soll ich mich schon fertig machen?", und ich antworte: "Kannst du, wenn du willst, musst aber nicht." Worauf er mich anschaut und fragt: "Wieso? Ist leicht keine Schule?" Nein, es ist keine Schule, nach den ersten drei Schultagen am Stück seit Wochen hätte man sich fast wieder daran gewöhnen können, aber nun geht es erst kommende Woche wieder weiter, und da erst am Donnerstag und Freitag. Der Jüngste zieht grummelnd ab und bleibt im Pyjama. Das Gute daran (das gibt es ja immer): Das erste Mal, seit ich Kinder habe, ist jemand enttäuscht gewesen, dass schulfrei ist. Sonst kann ich zu den alles überschwemmenden Corona-Statistiken (zu Übersterblichkeit, Hilfspaketen, Ansteckungsraten etc.) auch eine ganz persönliche Statistik beitragen.

Aus einer Aufstellung meines Internetproviders geht hervor, dass unser Datenverbrauch in den Monaten April und Mai mehr als doppelt so hoch war wie in normalen Monaten. Und so viel kann ich verraten: Es ist nicht alles für das Homeoffice drauf gegangen. Offenbar waren wir doch weniger draußen, als es mir vorgekommen ist. Der Älteste ist sich jedenfalls sicher, dass der Mittlere einen Großteil dieser "Überstreamlichkeit" zu verantworten hat. Der Hund wiederum hat gezeigt, dass in seiner Mischung ein beträchtlicher Teil an Jagdhundegenen enthalten ist. Er hat sich nämlich im Garten einen heroischen Kampf mit einem Hirschkäfer geliefert. Da der Hund das hier ja nicht liest, kann ich ruhig verraten, wie es ausgegangen ist: Einer von beiden wollte winselnd hereingelassen werden, der andere zog sich triumphierend ins Gebüsch zurück. Und der Eindruck täuscht nicht: Es ist eher weniger los momentan.

(Die Presse - Schaufenster", Print-Ausgabe, 26.06.2020)