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Die Ich-Pleite

Die komplizierte Sommerplanung

(c) Carolina Frank
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Wir dürfen jetzt ja wieder mit Menschen verreisen, mit denen wir nicht im selben Haushalt leben. Die Frage ist nur: Wohin?

Noch nie war der Sommerurlaub so schwierig wie heuer. Gemessen am Osterurlaub, den wir gar nicht antreten durften oder nur in einem Garten und nur mit Menschen unter 65, geht es uns jetzt schon gut. Wir dürfen sogar mit Menschen verreisen, mit denen wir nicht im selben Haushalt leben. Da atmet so mancher bindungsvorsichtige Halbsingle jetzt sicherlich auf.

Die Frage ist allerdings: Wohin? Überallhin! Sagt der Gesetzgeber. Aber er klingt dabei so wie einst unsere Mütter: Natürlich MUSST du nicht mitkommen zur Mizzitant (die noch nie über jemanden ein gutes Wort gesagt hat), sie wird halt traurig sein, womöglich sogar früher sterben, aber das überlasse ich ganz dir! Meine Therapeutin würde mindestens "Double Bind" dazu sagen. Natürlich MÜSSEN wir heuer im Sommer nicht in Österreich bleiben, es kann nur sein, dass wir damit eine Hotelpleitewelle auslösen. Zufällig wollen wir eh nicht ins Ausland! Hauptsache, das Ausland kommt zu uns.

Normalerweise sind wir nach den Italienern die größten Strandurlaubsfans Europas, aber es gibt ja nicht nur den Meeresstrand. Es gibt z. B. auch den Wörtherseestrand. Oder den Wolfgangseestrand. Der kommt einem vielleicht teurer als der kroatische oder griechische Strand, aber dafür retten wir heimische Arbeitsplätze, und das Geld bleibt im Land. Außerdem gibt es nicht nur den Wörthersee. Es gibt z.B. auch den Neusiedler See. Oder die Alte Donau. Sogar ein Baggersee kann schön sein. Eigentlich muss es nicht einmal ein See sein. Eingecremt in der Sonne liegen und auf glitzerndes  Wasser schauen kann man auch am Donaukanal. Oder man lädt sich ein Video herunter. Dann holt man sich ein Twinni aus dem Kühlschrank und sagt "Gelato" dazu. Schönen Sommer!

(Die Presse - Schaufenster", Print-Ausgabe, 26.06.2020)