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Kolumne

Lexikon der Dinge: Die Gießkanne

"Grab" von Northern.
"Grab" von Northern.(beigestellt)
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Gießkannen haben meist maximal die ästhetische Wertigkeit von Sandspielzeug. Dabei bieten sie so viele ästhetische Ansatzpunkte.

Wasser. Das ist eine eigene Welt. Und es gibt auch so viele hübsche Erscheinungsformen davon. Die meisten davon hat die Natur ausgestaltet: Pfütze. See. Meeresbrandung. Tautropfen. Und man hat auch so viele Optionen, wie man mit Wasser verfahren kann: spritzen, schütten, tropfen lassen, stauen, aufwühlen, vernebeln, Wasserbomben befüllen. Und man kann es ganz wundervoll gießen. Doch während sich Hunderte Designer täglich damit beschäftigen, wie das Wasser aus dem Wasserrohr hinter den Fliesen möglichst poetisch ins LED-Licht des Badezimmers fließen darf, kümmern sich die wenigsten um andere Formen des Wasserspendens.

O.k., wenn es darum geht, Menschen zu versorgen, dann fährt man manchmal am Esstisch auch mit hübschen Karaffen auf. Oder mit dekorativen Brunnen im öffentlichen Raum. Aber Gießkannen haben meist maximal die ästhetische Wertigkeit von Sandspielzeug. Sogar die Welt des Putzens ist im Vergleich dazu eine ausgesprochen lyrische, wenn man etwa an Handlungen denkt wie "nebelfeucht wischen". Überall ist Wasser reinste Poesie. Und plötzlich - beim Blumengießen - ist es reiner Zweck. Lebenserhaltende Maßnahme. Dabei könnte man gerade das schon als ästhetischen Ansatzpunkt hernehmen. Noch dazu, weil man Gießkannen meist nach Pflichterfüllung nicht verräumt wie Schlagbohrmaschinen oder Pürierstäbe. Sondern am Fensterbrett stehen lässt. Also im Grunde sind Gießkannen fast Vasen. Aber von Gestaltern werden sie behandelt, als wären sie plumpe Kübel. Mit kleinen Ausnahmen natürlich.