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Epidemie

Coronavirus: Forscher warnen vor zweiten Welle nahe Österreich

Reisen in Länder mit zuletzt steigenden Fallzahlen sollten gut überlegt werden.  Auch in Wien und in Oberösterreich gibt es Zuwächse.

600 aktive Corona-Erkrankte gab es am Montag, genauso viele wie am 14 März - zwei Tage vor dem sogenannten „Lockdown“. Gesundheitsminister Rudolf Anschober zeigte sich gestern besorgt vor einem erneuten Anstieg. Und er ist nicht der Einzige: Der Komplexitätsforscher Stefan Thurner warnt vor einer zweiten Welle, die allerdings durch ein Überschwappen von Entwicklungen auf Österreich verursacht würde. Auch hierzulande gebe es erste Anzeichen für regionale Verschiebungen in diese Richtung - etwa im Raum Linz und Wien.

Betrachte man auch die Entwicklung in Österreich, zeige sich vor allem in den vergangenen Tagen, dass es etwa in der Stadt Linz deutliche Zunahmen gegeben hat. "Dort waren es vor 14 Tagen noch fünf Fälle und jetzt sind es fast 40", so der Forscher.

Die Entwicklung positiv getesteter Corona-Fälle im Ländervergleich stellt eine neue "Corona-Ampel" der Forscher dar. Im von Wissenschaftern um den Leiter des Complexity Science Hub (CSH) Vienna entwickelten Ampelsystem sind dieser Tage wieder mehrere Bezirke von "grün" auf "gelb" umgesprungen. Das heißt, dass sich dort die Anzahl positiv getesteter Fälle pro 10.000 Einwohner im Vergleich der vergangenen 14 Tage merklich auf über eins erhöht hat. Das betrifft vor allem Linz, Wels und das Umland dieser Städte sowie St. Pölten und den Bezirk Neunkirchen (NÖ). Wien bleibt nach wie vor "gelb".

Zweite Welle in Israel und auf Balkan

Nach demselben System haben die Visualisierungsforscher Johannes Sorger und Wolfgang Knecht eine ähnliche Ampel für die weltweiten Covid-19-Fälle konstruiert, die nun auf der Website des CSH online gegangen ist. Sehe man sich die täglichen Fallmeldungen im Zeitverlauf an, zeige sich in einigen Ländern bereits ein "zweiter Hügel", erklärte Thurner. „Die zweite Welle ist da".

Voneinander abgegrenzte zweite Wellen sieht man dementsprechend in einigen Ländern besonders gut, die die Epidemie zunächst auch gut unter Kontrolle gebracht haben. Das passiert aktuell etwa in Israel, wo die täglichen neuen Fälle schon einmal fast bei null lagen. In Kroatien zeichnet sich - bei insgesamt immer noch wenigen Fällen - momentan ein "massiver zweiter Hügel" ab. Nahezu am gesamten Balkan sehe man ein ähnliches Bild, erklärte Thurner.

Etwas anders ist die Situation in den USA oder in Schweden, wo bekanntlich ein deutlich weniger rigider Eindämmungskurs gefahren wurde. Thurner: "Dort fährt die zweite Welle sozusagen in die erste Welle hinein oder drüber." Das liegt daran, dass es dort immer relativ viele Fälle gab und die Zahlen in den vergangenen Wochen auch nicht so stark zurückgegangen sind. Diese Staaten erscheinen im Ampelsystem nun auch rot (mehr als zehn Fälle pro 10.000 Einwohner).

"Es gibt aber auch jede Menge Länder, wo es sich gerade so abzeichnet, dass eine zweite Welle vor der Tür steht bzw. wo es gerade anfängt", so der Komplexitätsforscher, der hier auch Nachbarländer Österreichs wie Tschechien, Slowenien, die Slowakei oder ein Stück weniger deutlich die Schweiz bzw. andere Eindämmungs-"Musterländer" wie Island oder Neuseeland einschließt. In Europa "wird sich in den nächsten Tagen relativ sicher einiges in Richtung gelb (zwischen einem und zehn Fälle pro 10.000 Einwohner, Anm.) ändern", prognostizierte der Wissenschafter.

Ampel als Urlaubsindikator

In Österreich habe man die Eindämmung zeitlich einfach "relativ gut erwischt", sagte Thurner. Dadurch ist man hierzulande aber auch angesichts der beginnenden Urlaubssaison nicht vor einem erneuten Aufkommen der Erkranktenzahlen gefeit.

Die Idee hinter der internationalen Ampel ist daher auch zu zeigen, dass etwa Reisen in grün eingefärbte Länder - mit weniger als einem neuen Fall pro 10.000 Einwohner in den vergangenen 14 Tagen - bedenkenlos angetreten werden könnten. "In gelb eingefärbte Länder würde ich schon einmal nicht mehr fahren. Rot kommt gar nicht in Frage", betonte Thurner, der die aktuelle Karte nicht in Übereinstimmung mit den momentanen Reisewarnungen der Behörden sieht.

(APA)