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Corona-Normalisierung

Covid-Hotspot Cremona feiert Baby-Boom

Baby-Boom in Cremona (Symbolbild)Jindrich Foltin/Wirtschaftsblatt
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In der vom Virus schwer getroffenen lombardischen Stadt kamen 15 Kinder innerhalb eines Tages zur Welt - so viel wie noch nie zuvor. Viele sehen das als Zeichen der Auferstehung der Stadt. Generell erholt sich die ganze Region von der Pandemie.

Während Italien weiter eine stark sinkende Zahl von Coronavirus-Opfern meldet, bekommt das Land, das im März und April lange die traurige Nummer eins der Pandemie in Europa gewesen war, verstärkt Signale des Neubeginns zu spüren. In der von Covid-19 schwer betroffenen lombardischen Stadt Cremona etwa kam von Freitag auf Samstag innerhalb von 24 Stunden eine Rekordzahl von 15 Babys zur Welt.

"Das ist ein außerordentliches Ereignis für uns und ein Zeichen der Auferstehung der Stadt", sagte Aldo Riccardi, Leiter der Gynäkologie-Abteilung des Krankenhauses von Cremona, wo die zehn Mädchen und fünf Buben, darunter ein Zwillingspaar, zur Welt gekommen waren. Italienische Zeitungen veröffentlichten am Dienstag die Bilder der Mütter, die mit ihren Neugeborenen im Krankenhaus posierten.

"Wir haben in den letzten Monaten zu viele Tote betrauert. Ich erinnere mich, als ich im Hof des Krankenhauses nur Leichenwagen sah. Wir sind glücklich, dass wir mit diesen Babys der Stadt ein Signal der Hoffnung geben können", sagte Riccardi.

Signal der Hoffnung

Auch Bürgermeister Gianluca Galimberti zeigt sich optimistisch. "Diese Kinder geben einer Gemeinschaft Hoffnung, die den Neustart nach sehr harten Zeiten schaffen will. Es gibt aber auch weitere positive Signale: Am Wochenende habe ich zwei Paare getraut und bis September sind wir mit Hochzeiten ausgebucht", so Galimberti.

In der Stadt, die unter anderem wegen der Produktion von Stradivari-Geigen bekannt ist, sind wegen Corona jüngsten Angaben zufolge 1117 Menschen gestorben. Rund 73.000 Einwohner zählt die Stadt. In Cremona und Umgebung haben sich demnach 6610 Personen an Covid-19 angesteckt. Damit war Cremona die am stärkste betroffene lombardische Stadt nach Mailand, Bergamo, Brescia und Pavia.

Italien liegt mittlerweile in der Statistik mit rund 240.000 Coronafällen weltweit „nur" noch auf Platz 9 - an der Spitze lagen zuletzt die USA (2,6 Millionen, Brasilien (1,37 Mio.) und Russland (648.000). Bei der Zahl der Toten liegt Italien mit rund 34.700 aber noch auf Platz vier nach den USA (128.100), Brasilien (58.300) und Großbritannien (43.600).

Jahrelanger extremer Geburtenrückgang

Italien ist seit 2015 mit einem extremen Geburtenrückgang konfrontiert. 2019 kamen so wenige Kinder zur Welt wie zuletzt in den Jahren des Ersten Weltkriegs. Als Gründe gelten u. a. die allgemein schwierige wirtschaftliche Lage, insbesondere für Jungfamilien, und geänderte Werte hinsichtlich Mutterschaft. Demografen befürchten, dass sich die Coronavirus-Krise zusätzlich negativ auf die Geburtenrate in Italien auswirken wird. Mit einer durchschnittlichen Kinderzahl von 1,29 pro Frau (2019, laut Population Reference Bureau, Washington) gehört das Land zu den Schlusslichtern Europas, gleichauf etwa mit Spanien und Malta. Bei der ersten Geburt sind Italienerinnen durchschnittlich 31,7 Jahre alt.

Zum Vergleich: Die Fertilitätsrate in Österreich lag 2019 bei 1,5, in Frankreich bei 1,8, in der Türkei bei 2,0, im Weltschnitt bei 2,4, im afrikanischen Mittel bei 4,5, im Rekordhalterland Niger bei 7,0.

(APA)