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Afrika

Unruhen in Äthiopiens Hauptstadt nach Tod eines Musikers

Der prominente Sänger Hachalu Hundessa wurde erschossen. Er trat für die Rechte seiner Volksgruppe der Oromo ein und war für Protestmusik bekannt. Zudem wurde eine Führungsfigur der Oromo verhaftet.

Der gewaltsame Tod eines prominenten äthiopischen Sängers und Aktivisten hat in der Hauptstadt Addis Abeba Unruhen ausgelöst. Viele Hauptverkehrsadern sind blockiert und Menschen verbrennen Reifen, in mehreren Stadtteilen war Rauch über Dächern zu sehen. Zudem ist das Internet abgeschaltet.

Zuvor sei Hachalu Hundessa (34), ein bekannter Sänger der äthiopischen Bevölkerungsgruppe der Oromo, von Unbekannten erschossen worden, berichteten äthiopische Medien. Der Hintergrund war zunächst unklar.

Regierungschef Abiy Ahmed sprach sein Beileid aus und twitterte, dass man die Ergebnisse der Ermittlungen erwarte.

Hachalu wird von vielen Oromo als ein Verfechter der Rechte dieser Volksgruppe angesehen. Wegen Teilnahme an Anti-Regierungsprotesten war er bereits fünf Jahre in Haft gesessen. Er hatte in den vergangenen Jahren mehrfach Morddrohungen erhalten.

Hachalu Hundessa in einem Musik-VideoScreenshot YouTube

Die Oromo sind an sich die größte ethnische Gruppe in dem Vielvölkerstaat. Ihre Zahl ist unklar, denn laut amtlichen Angaben sind es rund 25 Millionen bzw. etwas mehr als ein Drittel der Bevölkerung, inoffiziell ist aber auch von bis zu 37 Millionen die Rede.

Ungeachtet ihrer Größe fühlen sich die Oroma seit langem von der autoritären Regierung vernachlässigt. Proteste in den Regionen Oromia und Amhara führten 2018 zum Rücktritt des Regierungschefs und dem Amtsantritt seines aktuellen Nachfolgers Abiy. Dieser - selbst ein Oromo - wird als Reformer gesehen und erhielt unter anderem wegen seiner Befriedungsbemühungen am Horn von Afrika in Bezug auf Eritrea den Friedensnobelpreis. Allerdings sind unter Abiy ethnische Spannungen und Konflikte wieder stark angestiegen.

Oromo-Führer verhaftet

Am Dienstagnachmittag kamen aus Äthiopien Berichte, wonach ein bedeutender Medienunternehmer, der ebenfalls ein Oromo ist, verhaftet worden sei. Der 34-Jährige namens Jawar Mohammed ist in den USA auch als Politikanalyst tätig und steht an der Spitze von Gruppen, die mehr Rechte, teils sogar politische Autonomie für die Oromo-Gebiete in Äthiopien fordern. Seine Leibwächter hätten sich dem Polizeizugriff längere Zeit widersetzt, ob es zu Schüssen kam, ist unklar.

(APA/DPA)