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Kahlschlag bei Airbus trifft Deutschland am härtesten

imago images/Hans Blossey
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Der Flugzeugbauer will 15.000 Stellen streichen, davon ein Drittel in Deutschland. Autobauer Volkswagen hingegen beendet die Kurzarbeit in deutschen Werken.

Der Flugzeugbauer Airbus will wegen der Luftfahrt-Krise weltweit 15.000 Stellen streichen. Allein in Deutschland sollen etwa 5.100 Stellen betroffen sein, teilte der Flugzeugbauer mit Schaltzentrale im französischen Toulouse am Dienstagabend mit.

"Die Branche befindet sich in einer beispiellosen Krise", hieß es in einer Mitteilung. Es werde erwartet, dass sich der Luftverkehr nicht vor 2023 erholen werde und möglicherweise erst 2025 wieder auf dem Niveau von vor Corona sein werde.

In Deutschland sollen von den Streichungen auch Stellen der Airbus-Tochter Premium Aerotec mit Sitz in Augsburg betroffen sein. Außerdem will Airbus 5000 Stellen in Frankreich, 900 in Spanien, 1700 in Großbritannien und 1300 an weiteren weltweiten Standorten streichen. Die Einzelheiten dieses Plans müssten noch mit den Sozialpartnern abgestimmt werden. Betriebsbedingte Kündigungen könnten nicht ausgeschlossen werden, hieß es weiter.

Bei Airbus schrillen schon länger die Alarmglocken. Der Konzern hatte bereits zuvor angekündigt, für zwei Jahre seine Produktion und seine Auslieferungen um 40 Prozent kürzen. Der Airbus-Chef Guillaume Faury hatte dabei Kündigungen nicht grundsätzlich ausgeschlossen, zumal sich durch eine zweite Corona-Welle die erhoffte Belebung wieder verschlimmern könnte. In Deutschland beschäftigt Airbus Zehntausende Mitarbeiter und hat zahlreiche Standorte - etwa in Hamburg-Finkenwerder oder Bremen.

Faury hatte zuvor zugesichert, wegen der Drosselung des Geschäftes keine Endmontagelinie zu schließen. Alle Modelle würden weiter produziert, aber in langsamerem Tempo. Von der meistverkauften Baureihe A320 sollen nur noch 40 Maschinen pro Monat gefertigt werden. Derzeit sind viele fertige Flugzeuge geparkt. Die Airlines nehmen sie wegen des Einbruchs im Markt durch die Corona-Krise zunächst nicht ab.

Der Franzose Faury hatte die Beschäftigten bereits mehrmals auf harte Zeiten eingestimmt und von einer existenzbedrohenden Krise gesprochen. Eigentlich sollten die nächsten Schritte erst im Juli angekündigt werden. Die Gewerkschaft IG Metall etwa hatte bereits Alarm geschlagen und vor einem Kahlschlag gewarnt. Sie schlug vor, die wenige Arbeit auf mehrere Köpfe zu verteilen - eine "kollektive Arbeitszeitverkürzung" nach dem Vorbild von VW.

Der Luftfahrt- und Rüstungskonzern Airbus ist wie die gesamte Luftfahrtbranche wegen der Covid-19-Pandemie in eine schwere Krise geraten. Frankreichs Präsident Emmanuel Macron hatte vor einigen Wochen ein 15 Mrd. Euro schweres Rettungspaket für die Luftfahrtindustrie angekündigt. In Frankreich arbeiten allein bei Airbus mit Schaltzentrale in Toulouse knapp 50.000 Menschen.

Ende der Kurzarbeit bei Volkswagen

Volkswagen will ab Mittwoch die coronabedingte Kurzarbeit in seinen deutschen Werken vorerst beenden. Dies gelte für die Standorte in Braunschweig, Chemnitz, Emden, Hannover, Kassel, Osnabrück, Salzgitter und Wolfsburg, teilte das Unternehmen am Dienstag mit. In Dresden und Zwickau war bereits vor längerer Zeit die Kurzarbeit beendet worden.

Durch die Öffnung der Autohäuser und die Angebote zur Verkaufsförderung habe sich die Auftragslage zuletzt positiv entwickelt, begründete der Konzern die Entscheidung.

"Da eine Einschätzung der weiteren Entwicklung der Situation jedoch schwierig bleibt, beobachten wir diese weiterhin sehr genau, um bedarfsgerecht reagieren zu können", erklärte der VW-Manager Arne Meiswinkel. Die Auslastung der deutschen Werke der Marke Volkswagen liegt nach Konzernangaben derzeit zwischen 75 und 95 Prozent verglichen mit dem Produktionsniveau vor der Corona-Pandemie.

Auch beim Autobauer BMW sank der Anteil der Beschäftigten in Kurzarbeit. Während im April und Mai über 30.000 Mitarbeiter in Kurzarbeit waren, seien dies im Juni insgesamt nur noch etwa 4.000 Beschäftigte, erklärte eine BWM-Sprecherin gegenüber der Nachrichtenagentur AFP.

(APA/Reuters/dpa)