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Management

Von Margaret Thatcher lernen

Margaret Thatcher (1925 - 2013)
Margaret Thatcher (1925 - 2013)REUTERS
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Kolumne "Hirt on Management": Folge 128.Was Manager und Managerinnen von Margaret Thatcher lernen können (und was nicht).

Hier gleich mal ein Disclaimer für alle leicht erregbaren Leserbriefschreiber: Es geht in diesem Kolumneneintrag nicht um ein politisches Statement, sondern darum, zu sehen, was Manager und Managerinnen von einer hochwirksamen Gestalterin, nämlich Margaret Thatcher, lernen können, aber auch, nicht lernen sollten.

Margaret Thatcher war eine britische Staatsfrau, die erste weibliche Premierministerin des Vereinigten Königreichs und der längst dienende Premierminister (m/w) des Vereinigten Königreichs im 20. Jahrhundert.

Egal auf welcher Seite des politischen Spektrums man steht, ist es unmöglich zu leugnen, dass Thatcher Großbritannien grundlegend und nachhaltig verändert hat und mit ihrer Politik und ihren Überzeugungen, weit über die Grenzen ihres Heimatlandes hinaus gewirkt hat.

Klare Überzeugungen

Und hier sind wir auch gleich beim ersten Punkt, der ihre Wirksamkeit ausgemacht hat. Thatcher hatte Überzeugungen und ein klares Weltbild.

Übrigens hat ein Österreicher bei der Formierung ihres Weltbildes eine wichtige Rolle gespielt. Es gibt die berühmte Geschichte, dass Thatcher eines Tages in die konservative Parteizentrale gekommen ist, Friedrich August von Hayeks Buch „Die Verfassung der Freiheit“ auf den Tisch geknallt hat und gesagt hat „das ist unser Parteiprogramm“.

Mut

Thatcher hatte nicht nur Überzeugungen, sondern auch, über Jahrzehnte hinweg, den dafür notwendigen Mut („the courage of her convictions“).

Sie schreckte nicht vor unpopulären Maßnahmen zurück. Sie lernte früh und nachhaltig mit Ablehnung und Zurückweisung umzugehen und sich davon nicht von ihrem Weg abbringen zu lassen.

Kompromisslosigkeit

Thatchers Kompromisslosigkeit brachte ihr den Ruf als „Eiserne Lady“ ein. Sie schreckte auch nicht vor drastischen Maßnahmen zurück, wenn sie diese, im Sinne der Sache, für notwendig hielt.

Die Versenkung des argentinischen Panzerkreuzers Belgrano im Falklandkrieg ist ein Beispiel dafür.

Durchhaltevermögen

Thatcher hatte seit ihrer Schulzeit eine außerordentliche Begabung für harte Arbeit und konsequente Selbstverbesserung an den Tag gelegt.

Das ermöglichte ihr, trotz ihrer kleinbürgerlichen Herkunft, mit einem Stipendium in Oxford zu studieren.

In ihrem gesamten Leben, und insbesondere während ihrer politischen Laufbahn, musste sie zahlreiche Vorurteile, Herausforderungen und Rückschläge überwinden.

Sie hatte, nach eigenen Aussagen, früh verstanden, dass das Leben ein Kampf war, in dem es galt sich durchzusetzen und dazu musste man (und frau) zu aller erst einmal durchhalten.

Die Schwächen ihrer Stärken

Klare Überzeugungen, Mut, Kompromisslosigkeit und Durchhaltevermögen sind sicher Eigenschaften, die sich jeder Manager und jede Managerin ins Stammbuch schreiben kann.

Alles hat seine Zeit

Ein Problem wird es allerdings, wenn dabei die nötige Balance abhanden kommt.

Klare Überzeugungen können zu Sturheit und Realitätsverweigerung werden. Mut kann sich in Fanatismus wandeln. Kompromisslosigkeit kann in Grausamkeit umschwenken. Übertriebenes Durchhaltevermögen kann dazu führen, dass man das sprichwörtliche „tote Pferd“ endlos weiter versucht zu reiten.

„Alles hat seine Zeit“ hat ein Weiser vor über 2300 Jahren geschrieben. Der weise Mensch zeigt sich darin, dass er bzw. sie erkennt, wann es an der Zeit ist, etwas zu tun oder zu lassen.

Das rechte Maß zu finden, bleibt weiterhin eine der schwierigsten Herausforderungen in unserem Leben.

 

Das Wichtigste in Kürze

Klare Überzeugungen, Mut, Kompromisslosigkeit und Durchhaltevermögen sind sicher Eigenschaften, die sich jeder Manager und jede Managerin ins Stammbuch schreiben kann. Ein Problem werden diese allerdings, wenn dabei die nötige Balance abhanden kommt. Das rechte Maß zu finden, bleibt weiterhin eine der schwierigsten Herausforderungen in unserem Leben.

 

In der nächsten Kolumne beschäftigen wir uns damit, warum es für marktführende Unternehmen oft so schwierig ist, neue Technologien und neue Arbeitsweisen einzuführen und wie man es trotzdem schaffen kann.

 

Schicken Sie Ihre Fragen an Michael Hirt an: karrierenews@diepresse.com

Die Fragen werden anonymisiert beantwortet.

 

Ausblick: Die nächste Kolumne von Michael Hirt erscheint am 16. Juli 2020 zur Frage: Wie Sie ihr Unternehmen neu erfinden, obwohl es Tonnen von Ballast mit schleppt.

Hier finden Sie die gesammelten Kolumnen.

Michael Hirt ist Managementexperte und -berater, Executive Coach, Keynote Speaker und Buchautor. Hirt verhilft Führungskräften zu außergewöhnlichen Leistungs- und Ergebnissteigerungen, mit hoher Auswirkung auf den Erfolg ihres Unternehmens. Er studierte in Österreich, den USA (Harvard LPSF) und Frankreich (INSEAD MBA) und ist weltweit tätig.

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