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Militärpolitik

Konflikt mit China: Australiens Militärbudget steigt massiv

Australische Soldaten mit klassischer Kopfbedeckung 2017 im Irak.U.S. Army
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Die Erhöhung der Ausgaben um rund 40 Prozent sowie Beschaffung moderner Langstreckenwaffen gilt in erster Linie als Reaktion auf die wachsende Macht Chinas in der Region, mit dem Australien in einen heftigen politischen und wirtschaftlichen Konflikt geschlittert ist.

Australien wird sein Militärbudget in den kommenden Jahren drastisch erhöhen und die Streitkräfte sowohl qualitativ als auch zahlenmäßig ausbauen - das kündigte der liberalkonservative Regierungschef Scott Morrison am Mittwoch in Canberra an. Dabei gehe es laut Morrison um eine Ausgabensteigerung von nicht weniger als 40 Prozent über die nächsten zehn Jahre im Vergleich zur bisherigen Planung, wobei ein Brennpunkt die Beschaffung von Langstreckenwaffen für Einsätze in der Region Indischer Ozean, Südostasien und Westpazifik sei.

In der aktuellen Periode 2019/20 beträgt das Militärbudget des kontinentgroßen Landes mit seinen 25 Millionen Einwohnern 38,7 Milliarden Austral-Dollar, umgerechnet fast 24 Milliarden Euro. Australien liegt damit auf Rang 13 der Liste der Staaten nach Militärausgaben, knapp hinter Italien und vor Israel. Der Anteil dieser Ausgaben am Bruttoinlandsprodukt beträgt 1,9 Prozent.

Gemäß Planung von 2016 sollten binnen zehn Jahren umgerechnet rund 120 Milliarden Euro ausgegeben werden. Nunmehr wird das auf etwa 165 Mrd. Euro über zehn Jahre erhöht.

Ein wesentliches Element soll die Beschaffung von um die 200 amerikanischen Langstrecken-Anti-Schiff-Marschflugkörpern Typ AGM-158C (LRASM) von Lockheed Martin sein. Diese im Radar unsichtbaren Flugkörper wurden erst 2018 in den USA eingeführt und können von Schiffen und Flugzeugen aus gestartet werden. Als Reichweite werden mehr als 400 Kilometer angegeben, einige Berichte nennen 500 bis 900 km. Das wäre eine enorme Steigerung im Vergleich zu den aktuellen „Harpoon"-Raketen der Australier (Reichweite um die 120 km, je nach Untertyp bis etwa 280).

LRASM-Flugkörper beim Abwurf durch einen B-1-BomberDARPA

Die Gelder werden ferner unter anderem in Systeme und Technologien zur U-Boot-Jagd fließen, in neue U-Boote, Wachboote, Kampfflugzeuge, weitreichende Drohnen für Aufklärungs- und Kampfeinsätze, Luftabwehr- und Artilleriesysteme, Boden-Boden-Raketen und Satelliten. Die Rede ist auch von Hyperschallwaffen. Die Gesamtstärke der aktiven Truppen, derzeit rund 60.000 Mann, soll um etwa 1000 erhöht werden.

Chinas unverhohlener Machtdrang

Auch wenn Morrison das nicht aussprach, so ist China das Hauptmotiv der verstärkten Aufrüstung Australiens, des „Pfeilers" der westlichen Welt im Raum Südostasien/Südpazifik. „Wir wollen einen indo-pazifischen Raum, der frei von Zwang und Hegemonie ist", so der Premier. „Wir wollen eine Region, wo alle Länder, groß und klein, frei miteinander umgehen können und dabei von internationalen Regeln geleitet werden."

China hat sich zweifellos bereits als regionale Großmacht etabliert und betreibt seit Jahren eine immer unverhohlenere Machtpolitik speziell im Südchinesischen Meer sowie gegenüber Japan, Indien und den USA. Es gibt Berichte über massive Aktivitäten des chinesischen Geheimdiensts in Australien, von der Unterwanderung der beträchtlichen chinesischen Gemeinde dort durch Peking-treue Kräfte und von Cyberattacken gegen australische Einrichtungen. Es gibt Verdachtsmomente gegen Studenten aus China, wonach sie Spione seien.

2018 hatte Canberra Peking schwer düpiert, indem der Huawei-Konzern von der Mitarbeit beim Aufbau des australischen 5G-Handynetzes ausgeschlossen wurde - aus Sicherheitsgründen, man befürchtete eine elektronische „Unterwanderung" desselben sowie weiterer elektronischer Infrastruktur durch China. Zuletzt wurde China durch Forderungen der Aussies verärgert, wonach man die Quellen der Corona-Pandemie durch eine unabhängige Untersuchung im Land aufdecken solle. Vor kurzem stoppte China Fleischimporte aus Down Under und führte hohe Zölle auf diverse andere Importe von dort ein.

Überdies versucht Peking, in kleinen pazifischen Inselstaaten politisch und militärisch Fuß zu fassen - aktuell etwa auf den Salomonen nordöstlich von Australien, wo China eine Insel zu Fischerei- und Bergbauzwecken leasen möchte, was letztlich auch eine militärische Nutzung im Vorhof Australiens befürchten lässt.

Australier bei einer Landungsübung in Queensland.Marine Rotational Force Darwin (Staff Sgt. Daniel Wetzel)

Militärisch ist die Machtbalance indes klar: Australiens Streitkräfte mit ihren wie erwähnt etwa 60.000 Mann aktiv sind jenen Chinas (mehr als eine Million Mann) klar unterlegen; auch bei großen Kriegsschiffen (14 plus sechs U-Boote) und Kampfflugzeugen (etwa 100) hat Australien nur einen kleinen Bruchteil der Kräfte der Chinesen.

Einzelne entscheidende Schläge

Zwar wird der Bestand an Flugzeugen und Schiffen vergrößert, jener der U-Boote soll ab den 2030ern durch die neue „Attack"-Klasse sogar verdoppelt werden. Klar ist letztlich aber, dass Australien allein einen größeren Konflikt mit China militärisch nicht gewinnen kann, weshalb man sich primär auf den Verbündeten USA stützt, der Stützpunkte auf dem Fünften Kontinent hat - und darauf, dass sich im Falle einer großen chinesischen Aggression auch Staaten in der Region als Alliierte mobilisieren lassen, etwa Indonesien und Malaysia.

HMAS Canberra, Flaggschiff der australischen Flotte, in der Bucht von Sydney.RAN

Letztlich geht es bei den Aufrüstungsplänen technisch und operativ vor allem darum, Möglichkeiten zu haben, um die Gesamtlage besser zu erfassen, im Cyberbereich und punktuell gegen fremde Marine- und Luftwaffenkräfte vorgehen und bestehen zu können. So könnte durch gezielte Versenkungen etwa einzelner wichtiger Kriegsschiffe durchaus der operative und taktische Gesamtplan des Gegners vereitelt werden.