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"Hybrid-Betrieb" an Universitäten im Herbst

TU-Rektorin und Präsidentin der Universitätenkonferenz, Sabine Seidler, sorgt sich um das neue Uni-Budget und prüfungsinaktive Studierende.
TU-Rektorin und Präsidentin der Universitätenkonferenz, Sabine Seidler, sorgt sich um das neue Uni-Budget und prüfungsinaktive Studierende.(c) Katharina Fröschl-Roßboth
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Die heimischen Hochschulen werden im kommenden Semester ihre Lehre aus digitaler und Präsenzlehre mischen, sagt die Präsidentin der Universitätenkonferenz, Sabine Seidler. Und: „Ich kann die Studenten nicht zur Prüfung tragen.“

Die meisten Universitäten planen für den Herbst eine Art "Hybrid-Betrieb" aus Präsenz-und digitaler Lehre, wie die Präsidentin der Universitätenkonferenz (uniko), Sabine Seidler, am Dienstag vor Journalisten erklärte. Vorrang bei der persönlichen Anwesenheit sollen dabei die Studienanfänger haben, denn „zu Hause vor dem Laptop ist der Studieneinstieg nicht optimal."

Den derzeitigen Eindruck von "leeren" Unis relativierte Seidler:
Die Wissenschafter seien seit Mitte Mai großteils wieder
zurück an ihren Arbeitsplätzen. Seit Juni gebe es auch fast überall
wieder Präsenzprüfungen, der Betrieb in den Laboren laufe wieder.
Was tatsächlich derzeit ausfalle, seien aber jene Formate, mit denen Hochschulen assoziiert würden: "Wir haben uns
entschlossen, in diesem Semester keine Vorlesungen zu machen."

Und das vor allem aus praktischen Gründen: "Wenn Sie den
Mindestabstand einhalten, kriegen Sie nur 25 Prozent der Leute in
einen Hörsaal", sagte Seidler. Dazu komme, dass die Hörsäle in der
derzeitigen Phase für Prüfungen freigehalten werden müssten.
Umgekehrt würden die Unis auch im Sommer Übungen und Prüfungen
anbieten.

Auf lange Sicht aber brauche die Hochschule „Menschen, die miteinander arbeiten und streiten.“ Ihr sei schon klar, dass demnächst auch aus den Hochschulen selbst Druck für mehr Präsenz entstehen werde, meinte die
Rektorin der Technischen Universität (TU) Wien. "Aber gleichzeitig
möchte niemand in den Schlagzeilen landen, wenn so viele Leute auf
engstem Raum zusammenkommen."

Uni-Budget „keine g'mahte Wies'n“

"Spannend" würden auch die Verhandlungen für das Uni-Budget für die Jahre 2022 bis 2024, sagte Siedler. Dieses würde ein „allumfassendes Thema" im Herbst sein. Denn bereits am 31. Oktober muss jene Summe feststehen, die den Unis zwischen 2022 und 2024 für Lehre, Forschung, Infrastruktur und strategischer Entwicklung zur Verfügung steht. "Das ist insofern spannend, als jetzt jeder Geld erwartet, weil auch die Wirtschaft
nach Geld schreit und es sich fragt, wo die Unis dabei bleiben. Wir
haben die Erfahrung gemacht: Wenn das Geld knapp ist, ist auch das
Uni-Budget keine g'mahte Wies'n."

Für 2022 bis 2024 brauchen die heimischen Unis um 2,1 Mrd. Euro mehr gegenüber den elf Mrd. Euro der laufenden Periode. Zeitgleich zum Uni-Budget werde auch die künftige Forschungsfinanzierung verhandelt. "Unsere Sorge ist, dass das eine gegen das andere abgetauscht wird", meinte Seidler. "Man könnte ja
auf die dumme Idee kommen zu sagen: 'Wir statten die
Forschungsförderungs-Institutionen stark aus und nehmen auf der
anderen Seite bei den Unis was weg oder umgekehrt'."

Über das neue Forschungsfinanzierungsgesetz sei man "schon sehr
enttäuscht", so Seidler. "Es war ja in der Diskussion, dass es einen
Finanzierungs- bzw. Wachstumspfad geben soll." Die nunmehrige
Variante mit dreijährigen Forschungspakten sei zwar ein Fortschritt:
"Aber das gibt natürlich niemandem Sicherheit. Man hängt dann in
diesen Drei-Jahres-Schleifen drin."

„Ich kann die Studierenden nicht zur Prüfung tragen“

Nach wie vor ungelöst sei die Problematik der Mittel, die Unis
aufgrund mangelnder Prüfungsaktivität ihrer Studenten zurückzahlen
müssten, so Seidler. Bis Jahresende muss die Zahl der prüfungsaktiv
betriebenen Studien um 3,6 Prozent anwachsen, sonst drohe eine
Budgetreduktion. Fakt sei, dass der Lockdown genau in die Prüfungszeit gefallen sei.

Deshalb stelle man sich nun die Frage, wie viele Studierende man im Sommer dazu bringe, noch Prüfungen zu machen. Ein Problem sei die "Unkultur", trotz Anmeldung nicht zur Prüfung zu erscheinen. "Ich
kann die Studenten nicht zur Prüfung tragen", ärgerte sich Seidler.
An der TU seien in einem Fall im Juni von 200 Angemeldeten gerade 40
auch angetreten. "Und das hat nichts mit Corona zu tun, das ist in
normalen Zeiten auch so."

Den Unis sei seitens der Bundesregierung zugesagt worden, dass man gegebenfalls auf ein Drittel der zurückzuzahlenden Summe verzichte. "Jetzt kämpfen wir um die restlichen zwei Drittel." Zudem habe man die Zusicherung, dass das zurückzuzahlende Geld an den Unis bleibe: "Es
gibt aber noch kein Konzept, wie neu verteilt wird. Zumindest kenne
ich es nicht."

(APA)