Schnellauswahl
Parlamentswahl

Kroatiens Premier Plenković bangt um Wiederwahl

In Kroatien wird am Sonntag gewählt.
In Kroatien wird am Sonntag gewählt.(c) REUTERS (ANTONIO BRONIC)
  • Drucken
  • Kommentieren

Die Covid-19–Pandemie und Rezessionsängste überschatten den Urnengang am Sonntag. Der konservative Regierungschef ist deshalb in die Defensive geraten. Klare Mehrheiten aber sind nicht in Sicht.

Belgrad/Zagreb. Zumindest der Kapitän des trudelnden kroatischen Regierungsschiffs hat die Hoffnung auf seinen Verbleib auf der Kommandobrücke noch nicht verloren. Auch vor der Wahl 2016 hätten die Umfragen die Konkurrenz vorn gesehen, „aber wir haben gewonnen“, erinnert Premier Andrej Plenković vor der Parlamentswahl am Sonntag an den damaligen Überraschungssieg seiner konservativen HDZ: „Ich bin überzeugt, wir siegen auch dieses Mal.“

Ob der frühe Bruch der Koalition, parteiinterne Machtkämpfe oder ständige Personalrochaden in seinem von unzähligen Korruptionsskandalen erschütterten Kabinett: Fast vier Jahre lang hat der politische Überlebenskünstler Plenković seine Regierung mit hauchdünner Mehrheit durch alle Affären gelotst. Doch bei der Mission Wiederwahl sind die Erfolgschancen für den eloquenten Ex-Diplomaten inzwischen eher ungewiss.

Die wirtschaftlichen Aussichten für das vom Tourismus abhängige Kroatien sind mit einem prognostizierten Minuswachstum von elf bis zwölf Prozent für 2020 stockdunkel. Die wieder aufflackernde Coronakrise droht der Hoffnung auf einen verstärkten Besucherandrang in der Hochsaison vorzeitig den Garaus zu machen. 70 Prozent der Kroaten glauben laut Umfragen, dass sich das zweitärmste EU-Mitglied in eine „schlechte Richtung“ bewegt; nur 32 Prozent sind mit dem jetzigen Kurs zufrieden.

Vor allem die verstärkte Konkurrenz im rechten Wählerspektrum erschwert dem Platzhirsch Plenković die Wiederwahl. Außer der rechtsklerikalen Most wirbt auch noch die rechtsnationale Vaterländische Bewegung (DP) des Sängers Miroslav ?koro um Wähler am rechten Rand.
Obwohl auch dem von der sozialdemokratischen SDP geführten Oppositionsbündnis Restart die Konkurrenz von linken und alternativen Bündnissen wie Mozemo zu schaffen macht, hat es zuletzt in der Wählergunst zur HDZ aufschließen können.