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Fußball

Rapids unverhoffter Höhenflug

Eintracht bei Rapid: Nur eine Woche nach dem 2:7 gegen Salzburg fixierten die Hütteldorfer Rang zwei in der Meisterschaft.
Eintracht bei Rapid: Nur eine Woche nach dem 2:7 gegen Salzburg fixierten die Hütteldorfer Rang zwei in der Meisterschaft.(c) GEPA pictures (GEPA pictures/ Philipp Brem)
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Die Wiener kämpfen um den Verbleib von Kapitän Stefan Schwab, die Teilnahme an der Champions-League-Qualifikation könnte ein Lockmittel sein. Der Lask leckt seine vielen Wunden.

Wien. Rapids Kapitän Stefan Schwab erinnerte sich in der Stunde des Erfolgs an den Misserfolg der Vorsaison. Nach dem 3:1 gegen den Lask und dem damit fixierten zweiten Platz in der Bundesliga, dem ersten Vizemeistertitel seit der Spielzeit 2015/16, sagte Schwab auf Sky: „Nach der letzten Saison, in der wir im unteren Play-off herumgegurkt sind, haben uns das nicht viele zugetraut. Jetzt würde ich mir wünschen, dass die Kritiker auch einmal Lob ausschütten.“ Als Belohnung dürfen sich die Hütteldorfer in der Qualifikation zur Champions League versuchen, der Einstieg in der zweiten von vier Runden erfolgt am 25./26. August. Im Fall des Scheiterns geht es in der Qualifikation zur Europa League weiter.

Nachdem die Spieler abgeliefert haben, dürfte nun auf Sportdirektor Zoran Barišić vermehrt Arbeit zukommen. „Wenn es nach mir ginge, würde ich am liebsten die Mannschaft so behalten, wie sie im Moment ist“, erklärte der einstige Trainer der Grün-Weißen. Auch aus finanziellen Gründen wird das aber wohl nur schwer möglich sein. Größtes und wichtigstes Fragezeichen ist der Verbleib von Schwab. Der 29-Jährige könnte nach seinem Vertragsende ablösefrei wechseln. Rapid will das freilich verhindern, doch Barišić weiß: „Wir können nicht mit Geld herumschmeißen, das liegt mir sehr im Magen.“

 

Sexismus-Causa holt Rapid ein

Auch Coach Dietmar Kühbauer hat im Hinblick auf einen Abgang des Routiniers ein mulmiges Gefühl. „Er ist ein enorm wichtiger Spieler, ich kann es mir ohne ihn gar nicht vorstellen.“ Schwab ließ am Mittwochabend keine Tendenz erkennen. „Wir werden uns in Ruhe zusammensetzen, die Situation analysieren und schauen, was möglich ist“, so der Salzburger. Viel wichtiger war ihm nach Spielschluss, den Moment zu genießen. „Wir haben wirklich viele Probleme gehabt in dieser Saison und sie als Mannschaft unglaublich weggesteckt“ , analysierte Schwab, seit 2014 bei Rapid.

Mitten in die Lobeshymnen platzte am Donnerstag ein Schreiben von Rapids Hauptsponsor Wien Energie, das sich mit der Sexismus-Causa der Hütteldorfer vom Heimspiel gegen Hartberg am 21. Juni befasst. Das Unternehmen werde die Situation in den kommenden Monaten „sehr genau“ beobachten, im Anlassfall würde man „entsprechende Schritte einleiten“. Wien Energie verwies auf vertraglich festgelegte Punkte und auf das damit verbundene Recht, „den Pauschalfixbetrag zu mindern sowie den Sponsorvertrag aus wichtigem Grund vorzeitig aufzulösen“. Gefordert wurden klare Konsequenzen für die Verantwortlichen der Aktion.

Andere Sorgen hat der Lask. Die Oberösterreicher hatten mit ihrem Verzicht des Gangs vor das Schiedsgericht wegen des Vier-Punkte-Abzugs (Missachtung der Coronaregeln) die Grundlage für ein sportliches  Endspiel  um Rang zwei gelegt, dabei aber nicht reüssieren können. Bei Kühbauer, der sich auf der Linie auch ein verbales Duell mit seinem Gegenüber Valérien Ismaël lieferte, war Genugtuung im Spiel. „Wir haben Dinge gemacht, die erlaubt waren, von dem her ist es wunderbar“, sagte der 49-Jährige. „Wenn die Verantwortlichen des Lask die Fehler nicht gemacht hätten, wäre es vielleicht anders gekommen.“

Davon sind auch die Linzer überzeugt, die in der Meistergruppe mit nur drei Siegen in neun Spielen ordentlich schwächelten. Laut Vizepräsident Jürgen Werner wäre ohne die aufgeflogenen unerlaubten Mannschaftstrainings alles „sicher anders“ verlaufen. „Wir haben uns selbst ins Knie geschossen und auch irgendwie eine Retourkutsche bekommen. Es gab den Lask vor Corona und den Lask nach Corona“, weiß auch Ismaël. Laut Werner gehe „alles schief, was schiefgehen kann.  (red/ag.)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 03.07.2020)