Schnellauswahl

Düstere Internet-Prophezeihung: "Ich seh schon Tote"

Duestere InternetProphezeihung schon Tote
(c) REUTERS (THOMAS PETER)

Mehrere Internet-Nutzer waren Besucher der Loveparade im Duisburg. Die dunkle Voraussage eines Nutzers namens "klotsche" macht nun die Runde.

Im Netz hatten Nutzer Wochen und Tage vor einer möglichen Katastrophe bei der Duisburger Loveparade gewarnt - teils detailliert. Auf lokalen Seiten wurden sowohl ein zu kleines Partygelände als auch der potenziell gefährliche Zugang über die von Brücken überspannte Straße kritisiert. Besonders klar geht das aus der Nachricht eines Nutzers namens "klotsche" hervor, der sich in einem Kommentar auf der Seite "DerWesten.de" äußerte. Am 7. Juni schreibt er mit Blick auf das Partykonzept (Originalzitat):

"sehe ich das richtig, dass die versuchen 1 million menschen über die 1-spurige! TUNNELSTRAßE! Karl-Lehr-Straße mit zwischendurch 2 kleinen trampelpfaden hoch zum veranstaltungsgelände zu führen? also in meinen augen is das ne falle. das kann doch nie und nimmer gut gehen. wer in essen und dortmund dabei war weiß, wie groß das gedränge schon auf recht weitläufigen zugangswegen war. das war ne katastrophe und die wollen ernsthaft den zugang über nen einspurigen TUNNEL leiten? ich fass es nicht!!!! ich seh schon tote wenn nach der abschlußkundgebung alle auf einmal über diese mickrige straße das gelände verlassen wollen."

Diese Nachricht - wiederholt am Donnerstag, 22. Juli - beschreibt im Nachhinein genau das Szenario vom Samstag, als tausende Menschen von Mauern eingekeilt waren und weder vor noch zurück konnten.

Ebenfalls am Donnerstag (22.7./16.25 Uhr) und auch bei "DerWesten.de" schrieb Nutzer "Duisburger": "Es wird das größte Chaos geben. Die Stadt wäre besser beraten gewesen die Loveparade abzusagen. Dann wäre ein paar Tage negative Presse über Duisburg in den Nachrichten zu hören-aber über diese Loveparade wird man noch lange reden-leider nur in negativer Form."

Beide Beiträge - sie waren auch am Sonntag online - stammen offensichtlich von Ortskundigen, ebenso wie die Meinung von "Skydiver60": (Originalzitat:) "400000 - 500000 passen auf das Gelände. 1-1,5 Millionen werden erwartet. Bei Überkapazität werden die Raver nicht mehr auffs Gelände gelassen. Leute, das geht inne Buchse, definitiv. (...) Auf das alles irgendwie gut geht. Glück Auf".

Besonders der frühe Kommentar von "klotsche" hat sich unterdessen im Netz weit verbreitet. Manche Daheimgebliebene danken ihm, andere sehen darin ein Menetekel, viele leiten daraus Vorwürfe an die Stadt Duisburg ab, andere verbreiteten den Link kommentarlos an ihre Freunde. "masamedia" twittert: "klotsche, Duisburger, Vasa49, Lover__P - man hätte auf Euch hören sollen."

Besonders wütende, nicht zitierfähige Reaktionen löste Duisburgs Oberbürgermeister Adolf Sauerland (CDU) aus, als er das Sicherheitskonzept "stichhaltig" nannte und sagte, "wahrscheinlich" seien "individuelle Schwächen" Auslöser der Katastrophe gewesen.

Die Marketinggesellschaft der Stadt Duisburg hatte vor dem Unglück einen Film über den Zustand des Geländes am 8. Mai bei "youtube.com" eingestellt. Der Streifen zeigt Mitarbeiter bei der Vermessung des vollkommen verwildert und aufgelassen erscheinenden ehemaligen Güterbahnhofes voller Bauschutt und Trümmer.

Die Homepage der Veranstalters zeigt seit Samstagabend drei Zeilen des Mitleids auf schwarzem Hintergrund, unter anderem: "Unser aufrichtiges Beileid gilt allen Angehörigen und unsere Gedanken sind bei denjenigen, die derzeit noch versorgt werden müssen."

 

(Ag.)