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Tourismus

„Gute Strategie nicht verwerfen“

Trends wie die neue Lust am Radfahren können auch im Tourismus genutzt werden.
Trends wie die neue Lust am Radfahren können auch im Tourismus genutzt werden.(c) TVB Tirol West/D. Zangerl
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Anpassung ist in der Fremdenverkehrsbranche das Gebot der Stunde. Neben den Themen Gesundheit und Sicherheit spielt in der Krise Führungsqualität eine entscheidende Rolle.

Der Tourismus ist besonders von Covid-19 betroffen. Diverse Studienangebote vermitteln Know-how, das auch bei der Bewältigung der Krise wertvoll ist.  „Idealerweise hat akademische Ausbildung bereits dabei geholfen, kritischen Lagen etwas vorzubeugen. Dazu gehört zum Beispiel, dass man langfristige Investitionen nicht kurzfristig finanziert, auch wenn das in den vergangenen Jahren sehr verlockend gewesen ist“, sagt Gottfried Tappeiner, Dekan des Masterstudiengangs Nachhaltige Regional- und Destinationsentwicklung, der von der Universität Innsbruck gemeinsam mit der Tiroler Privatuni Umit angeboten wird.

 

Nicht in Panik verfallen

Natürlich helfe eine gute Ausbildung, aber am wichtigsten sei in Situationen wie diesen, „nicht in Panik zu verfallen und wegen der Krise eine gut durchdachte Strategie leichtfertig aufzugeben. Wenn eine Strategie vor Corona gut war, wird sie auch nach Corona ihren Wert haben.“ Das Masterstudium können beispielsweise Bachelors aus den Fachgebieten Wirtschaftswissenschaften und Sportmanagement belegen, oder Absolventen des ebenfalls in Kooperation mit der Uni Innsbruck angebotenen Bachelors Wirtschaft, Gesundheits- und Sporttourismus. Sie lernen darauf aufbauend nicht nur Studien zu lesen und neue Chancen zu erkennen, sondern auch ihre Organisation durch Change Management auf neue Möglichkeiten, etwa den Inlandsmarkt auszurichten. „Die gemeinsame Reflexion dieses Schocks im Rahmen des Studiums wird die erlernten Methoden und Instrumente plastischer und anwendungsnäher machen“, sagt Tappeiner.

Analytik steht auch im Fokus des Masterstudiengangs Entrepreneurship und Tourismus am MCI. Dort trifft Problemlösungskompetenz auf Herausforderungen wie die aktuelle – am Ende stehen adäquate Maßnahmen, Ideen und Konzepte: „So wird beispielsweise ein Real Life Case in Zusammenarbeit mit Destinationen bearbeitet. Hierbei werden im Zuge einer Vor-Ort-Analyse sowie Gesprächen und Workshops mit den Destinationsverantwortlichen neue Ideen und Konzepte für die jeweilige Destination entwickelt“, erläutert Jannes Bayer, Koordinator des Masterstudiengangs. Trotzdem: Eine Krise wie die aktuelle hätte niemand vorhersehen können.

 

Sicherheit auf den Stundenplan

Deshalb werde die Konsequenz sein, „dass das Thema Gesundheit und Sicherheit im Studienplan in Lehrveranstaltungen etwa zu internationalen Tourismusmärkten oder nachhaltiger Destinationsentwicklung verstärkt einfließen wird“. Am MCI wird auf Bachelorlevel Tourismus- und Freizeitwirtschaft angeboten, das Masterstudium will weiter professionalisieren. Entweder mit dem Schwerpunkt Strategisches Management und Tourismus oder Marketing Management & Tourism.

Weil sich die Rahmenbedingungen im Tourismus auch abseits von akut auftretenden Krisen permanent wandeln, ist es wichtig, Entscheidungskompetenz zu entwickeln. „In einer Situation wie jener, in der wir uns momentan befinden, müssen Entscheidungen der Ungewissheit getroffen werden, denn weder die Alternativen noch deren Auswirkungen sind bekannt. Klassische Modelle etwa der Betriebswirtschaftslehre helfen daher nur sehr bedingt. Eine Tourismusausbildung, in der die Studierenden lernen, sich auch mit Ungewissheit auseinanderzusetzen, bereitet den Boden für kreative Lösungsansätze“, sagt Florian Aubke, Studienbereichsleiter für Tourism & Hospitality Management an der FH Wien der WKW, an der der Bachelor Tourismus-Management und der Master Leadership im Tourismus angeboten werden.

 

Führung durch die Krise

Führungskompetenz steht im Scheinwerferlicht des Masterstudiums: „Jede Krise hat auch eine soziale Komponente, und ich behaupte, dass die Unternehmen, die in der Vergangenheit in verantwortungsbewusste, weitsichtige und kreative Führungskräfte investiert haben, am besten durch die Krise kommen werden“, meint Aubke.

Stichwort Kreativität: Auch sie will im touristischen Kontext entdeckt und geschult werden. Innovativer Kompetenzerwerb steht im Mittelpunkt des Master-Studiengangs Innovation and Management in Tourism an der FH Salzburg. „Dieser Fokus wird im Zusammenhang mit Covid-19 stark auf diese Krisensituation ausgerichtet: Neben klassischen Theorien im Kontext von Innovationsmanagement erstellen die Studierenden Konzepte für innovative Prozesse und touristische Produkte. Hier fließen bereits erste Erkenntnisse aus der Covid-19-Krise mit ein“, erläutert Studiengangsleiterin Eva Brucker. Ergänzend komme das Thema Change Management hinzu, da dynamischer Wandel die Tourismusbranche zur Zeit besonders kennzeichne. Das Bachelorstudium wird in Deutsch und Englisch angeboten, der Master ausschließlich in Englisch.

Web: www.mci.edu, www.unik.ac.at
www.fh-salzburg.ac.at, www.fh-wien.ac.at

("Die Presse", Print-Ausgabe, 04.07.2020)