Schnellauswahl
Kolumne zum Tag

Das Ende einer kleinen Ära

(c) Die Presse (Clemens Fabry)
  • Drucken
  • Kommentieren

Was fällt Ihnen so ein, wenn Sie an Ihre Volksschulzeit denken?

Meine ist ziemlich genau eine halbe Ewigkeit her, aber ich habe mich schon mit 18 nicht an wesentlich mehr erinnert als heute. Nämlich: Die Lehrerin hieß so wie Lehrerinnen in Kinderbüchern immer heißen (Frau Sommer), sie war so wie alle Lehrerinnen in Kinderbüchern (sehr, sehr nett). Sonst sind bei mir hauptsächlich folgende Dinge hängen geblieben: Dass wir einmal einen Elefanten malen mussten, ich keine Deckweiß mehr hatte, weshalb ich kein Grau anrühren konnte und einen (hernach belächelten) braunen Elefanten gemalt habe. Dass ich auf der Schullandwoche (bei uns hieß das so, und nicht Landschulwoche) meinen Regenmantel verloren habe (sonst keinerlei Erinnerung an diese Tage) und dass die eine wilde Mitschülerin der anderen wilden Mitschülerin einen Zahn ausgeschlagen hat. (Eh einen Milchzahn.)

Das Kind wird sich, so hoffe ich, an mehr erinnern – vielleicht auch, weil alles viel akribischer fotografisch dokumentiert ist als zu meiner Zeit. Sehr unwirklich irgendwie, dass nun diese tollen Volksschuljahre  – daher bitte das Pathos zu verzeihen, es schaut nur ausnahmsweise vorbei – tatsächlich zu Ende gegangen sind: Von den Buchstabentagen in der ersten Klasse (bei denen wir Eltern helfen durften, ich war für „G wie Gespensterbasteln“ eingeteilt) bis zu der Projektwoche in der vierten Klasse (bei der Eltern nicht dabei sein durften). Dazwischen haben die Kinder lesen, schreiben und so vieles mehr gelernt, es gab eine Übernachtungsparty  im Turnsaal (zum Glück für alle ebenfalls ohne Eltern), Weihnachts- und Schulschlussmusicals (mit vielen permanent filmenden Eltern) – alles vor Corona natürlich. Und auch wenn ich generell eher zum Team „Dieses Ende wird ein Anfang sein“ (wer sie noch kennt: von den „Virginia Jetzt!“-Herren) gehöre, war das Abschiednehmen doch sehr schwer: Wieder eine kleine Ära vorbei. In diesem Sinn und ganz ernst gemeint: Schöne Ferien, besonders auch den vielen großartigen Lehrern und Lehrerinnen da draußen, von denen wir das Glück hatten, die allergroßartigste zu haben!

E-Mails an: mirjam.marits@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 04.07.2020)