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Pizzicato

Wahlkampf ohne Rock 'n' Roll

Drohung, Klage, Geldstrafe – die einzige Sprache, die Trump versteht.

Sie haben sich als Bad Boys einen Namen gemacht und als knallharte Geschäftsleute, stets auf den eigenen Vorteil bedacht. Beide sind längst eine globale Trademark, und in den 1970er- und 1980er-Jahren, den goldenen Zeiten des Studio 54, liefen einander der Popstar und der Playboy, damals ein Parvenu und Partylöwe, mitunter wohl in der einstigen New Yorker Kultdisco über den Weg.

Dass Rolling Stone Mick Jagger Donald Trump mit Klage droht, sollte er im Wahlkampf einmal noch den Stones-Hit „You Can't Always Get What You Want“ spielen, ist nur konsequent. Drohung, Klage, Geldstrafe – die einzige Sprache, die Trump versteht. Als er anno 1989 gegen jede Abmachung im eigenen Casino in Atlantic City bei einem Stones-Konzert auftauchte, um selbst seine Show abzuziehen, sah Keith Richards rot. In Mafioso-Manier rammte er ein Messer in einen Tisch und stellte den Casino-Manager vor die Alternative: „Er oder wir.“ Trump zog wie ein begossener Pudel ab.

Wie will er nun im Wahlkampf seine Fans antörnen, da Tom Pettys Erben, Elton John oder Queen ihm fast alles untersagt haben, was als Anheizer taugt? Bleibt allenfalls Country. Dabei wäre der Stones-Song nachgerade ideal als programmatisches Motto für eine Kampagne, die weder rockt noch ins Rollen kommt – und vom südkoreanischen K-Pop ins Lächerliche gezogen wird.

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("Die Presse", Print-Ausgabe, 04.07.2020)