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Kandidat für Bankenaufsicht muss zittern

EU-Abgeordnete lehnen Mann ab und fordern eine Frau für das Amt.

Brüssel. Die Europäische Bankenaufsicht hat ein Personalproblem. Am Freitag lehnten die Abgeordneten des Wirtschaftsausschusses im Europaparlament den französischen Kandidaten François-Louis Michaud ab. Das Ergebnis fiel mit 24 Nein- zu 23 Ja-Stimmen, bei zehn Enthaltungen, sehr knapp aus. Nun muss das Plenum des Europaparlaments nächsten Mittwoch über seine Kandidatur abstimmen. Gewöhnlicherweise überstimmt die Vollversammlung ihre Ausschüsse nicht. Doch weil das Resultat so knapp war und es so viele Enthaltungen gegeben hat, hat Michaud noch eine kleine Chance.

An der fachlichen Eignung des derzeitigen Direktors einer Abteilung für Bankenaufsicht in der Europäischen Zentralbank haben die Abgeordneten keinen Zweifel. Sie stört vielmehr, dass die nationalen Regierungen erneut keine Frau auf die Liste der Kandidaten gesetzt haben. „Wenn wir echten Wandel sehen wollen, müssen wir mehr Frauen nominieren und ihnen die Gelegenheit geben, wichtige Finanzposten zu erhalten“, kommentierte die SPÖ-Mandatarin Evelyn Regner, Vorsitzende des Frauenausschusses, diese Abstimmung via Twitter. (go)

 

 

("Die Presse", Print-Ausgabe, 04.07.2020)