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Wirtschafts- und Finanzkrise

Libanons Währung im freien Fall

(c) REUTERS (Mohamed Azakir)
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Das libanesische Pfund verlor mehr als 80 Prozent seines Werts.

Beirut. Wegen der schweren Wirtschafts- und Finanzkrise klagen die Libanesen über leere Supermarktregale und geschlossene Geschäfte. Das libanesische Pfund stand am Freitag im Vergleich zum Dollar auf einem der tiefsten Stände aller Zeiten. Ein Dollar kostete auf dem Schwarzmarkt knapp unter 10.000 Pfund. Die Währung hat damit mehr als 80 Prozent ihres Wert verloren. Zugleich galoppiert die Inflation.

„Der Libanon ist am Ende“, klagte eine Frau, die sich Rana nennt, in einem Supermarkt in der Hauptstadt Beirut. Sie zeigte sich geschockt über die stark gestiegenen Preise. „Wir können so nicht weitermachen. Der Libanon steuert direkt auf Hunger zu.“ Eine andere Frau stöhnte, sie könne kaum noch die notwendigen Güter für ihre Kinder kaufen: „Wenn du einen Supermarkt betrittst, dann heulst du entweder oder du rennst schnell wieder hinaus.“

Manche Geschäfte bleiben geschlossen. Auf Schildern steht: „Wir entschuldigen uns, aber wir können ihnen keine guten Preise mehr bieten.“ Vor Bäckereien bilden sich Schlangen. Im Mai lag die Inflation im Jahresvergleich bei 56 Prozent, die Preise für Lebensmittel kletterten um mehr als 80 Prozent.

Das kleine Land am Mittelmeer erlebt die schwerste Wirtschafts- und Finanzkrisen seit Ende des Bürgerkriegs 1990. Im März konnte die Regierung erstmals Anleihen nicht bedienen. Der Libanon gehört weltweit zu den am stärksten verschuldeten Staaten. Die Regierung verhandelt mit dem Internationalen Währungsfonds (IWF) über ein Rettungsprogramm. Die Gespräche laufen schleppend, weil die Regierung bisher keine einheitlichen Zahlen zur Höhe der Verschuldung vorlegen konnte.  (ag.)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 04.07.2020)