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Widerstand

Wer war Ernst Kirchweger?

Ehemals im Besitz der KPÖ, kam das EKH in Favoriten erst durch seine Hausbesetzer zu seinem heutigen Namen.

Obwohl Ernst Kirchweger wohl zu den bekannteren Kommunisten in der österreichischen Geschichte zählt, haben nicht die einstigen Eigentümer des Hauses, die KPÖ, sondern dessen Besetzer ihr neues Zuhause nach dem Widerstandskämpfer benannt. Während der NS-Zeit war Kirchweger im antifaschistischen Widerstand tätig, nahm auch als 67-Jähriger noch an einer Demonstration gegen den antisemitischen Hochschullehrer Taras Borodajkewycz im Jahr 1965 teil.

Beim Zusammenstoß mit rechtsradikalen Studenten wurde Kirchweger vor dem Hotel Sacher niedergeschlagen, er starb zwei Tage später im Wiener AKH.

Als linke Aktivisten und der kurdisch-türkische Verein ATIGF das Haus in der Wielandgasse 2–4 besetzten, stand es schon weitgehend leer. Mit der KPÖ erwirkten sie einen symbolischen Mietvertrag. Bis diese das EKH 2004 an eine Immobiliengesellschaft verkaufte, deren Geschäftsführer Kontakte zur rechtsextremen Szene nachgesagt wurden. Gerüchte, Skinheads sollten Punks und Autonome aus dem Haus prügeln, sorgten für Proteste.

Die Firma Porr sprang ein, von ihr kaufte schließlich die Stadt Wien 2007 das Haus um 2,1 Millionen Euro. Um es zu verwalten, wurde die Wien House GmbH als Tochterfirma von Obdach Wien gegründet, die Teil des Fonds Soziales Wien ist. Sie erhält eine jährliche Fördersumme von 70.000 Euro, von der Instandhaltungen und Reparaturen bezahlt werden. Die Mieter zahlen Betriebskosten und eine für die Fläche relativ geringe Miete.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 05.07.2020)