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Tipp der Woche

Wie überführt man den Schuhdieb?

Beim Krimispiel „Die Suche nach dem goldenen Schuh“ muss man gezielt Fragen stellen und die Mitspieler beobachten.

Wer hat den goldenen Schuh gestohlen? Das war die Frage in dem Krimispiel, das ich mit meinen Freundinnen zum Schulschluss gespielt habe. Bei einem Krimispiel geht es darum, in fremde Rollen zu schlüpfen und den Täter zu finden. Drei Tage vor dem Spiel bekamen meinen Freundinnen ihre Rollenbeschreibung.

Geheimniskrämerei. In dieser stand, welches Verhältnis man zu den anderen Rollen hat, wie die Hintergrundgeschichte der Figur lautet und wie sich die Figur am liebsten anzieht. Die Rollenbeschreibungen sind deswegen so geheim, weil in ihnen wichtige Informationen stehen – zum Beispiel, ob man eine andere Figur gut kennt oder ob man sie fürchtet. Bei unserem Spiel gab es folgende Rollen: die Hexe, Rotkäppchen, Schneewittchen, Aschenputtel, Frau Holle und Dornröschen. Der königliche Diener (den meine Mutter spielte) las uns zuerst die Regeln vor. Anschließend verteilte der Diener die Hinweisheftchen. Jeder bekam sein eigenes Heftchen, in dem ebenfalls alles geheim war. Weiterblättern durfte man nur, wenn es der Diener ausdrücklich erlaubte. Gleich auf der ersten Seite des Hefts stand, ob man der Täter war oder nicht. Nach jeder gelesenen Seite gab es Diskussionen zwischen den Mitspielern. In der dritten Runde machten sich alle auf den Weg in den Märchenwald, wo jeder irgendein Gerücht über die anderen hörte.

Der Falsche wird abgeführt. Wer hatte den königlichen Ball wann verlassen? Das war der entscheidende Hinweis auf den Täter. Doch dieser durfte lügen, um unentdeckt zu bleiben . . . Je länger wir spielten, umso mehr wurden so manche Figuren verdächtigt. Die fünfte Runde bestand darin zu erklären, wie und mit wem wir nach Hause gegangen sind – und wen wir auf dem Heimweg getroffen haben. Schließlich haben wir uns geeinigt, wen der Diener abführen soll. Als wir uns geeinigt hatten, was es eine große Überraschung für uns, wer der Täter wirklich war. Wir haben leider auf die Falsche getippt. Wer der Täter war, möchte ich nicht verraten – vielleicht wollt ihr das Spiel ja selbst spielen! Es hat auf jeden Fall allen viel Spaß gemacht.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 05.07.2020)