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Warren Buffett erwacht aus Anlageschlaf

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Warren Buffett sitzt auf 137 Mrd. Dollar, traut sich aber nicht, zu investieren.(c) APA/AFP/JOHANNES EISELE (JOHANNES EISELE)
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Seit Jahren warten die Finanzmärkte auf den nächsten großen Deal der Investorenlegende. Nun investiert seine Anlagegesellschaft Berkshire Hathaway Milliarden ins Energiegeschäft.

Es ist sein erster größerer Kauf seit Monaten. Anlageguru Warren Buffett sitzt mit seiner Investmentfirma Berkshire Hathaway auf Bargeld-Reserven in Höhe von 137 Milliarden US-Dollar. Doch ihm ist alles zu teuer. Inmitten der Coronakrise hat er sogar Luftfahrtanteile mit Verlust verkauft. So warf er im Frühjahr Delta Air Lines, United Airlines, Southwest Airlines und American Airlines aus dem Portfolio. Stattdessen setzt der 89-Jährige nun auf das Energiegeschäft. Berkshire habe nach eigenen Angaben die Erdgaspipeline sowie das Speichergeschäft des Energieversorgers Dominion Energy gekauft.

Damit sinkt sein Geldberg allerdings nur geringfügig. Der Transaktionswert zwischen Berkshire und Dominion liegt bei 9,7 Milliarden Dollar (rund 8,6 Mrd. Euro). Etwa vier Milliarden Dollar will Berkshire Hathaway bar bezahlen und zudem Schulden in Höhe von knapp sechs Milliarden Dollar übernehmen. Demnach umfasst das Geschäft mehr als 7700 Meilen (etwa 12.392 Kilometer) Gasverteilernetze sowie rund 900 Milliarden Kubikfuß (etwa 25 Mrd. Kubikmeter) an Speicherkapazitäten. Der Verkauf muss unter anderem noch vom Energieministerium genehmigt werden. Er soll im Lauf des 4. Quartals 2020 abgeschlossen sein. Dominion Energy hat knapp 7,5 Millionen Strom- und Erdgaskunden und ist in 18 der 51 US-Staaten aktiv.

„Buffett ist zu alt“

Seit Jahren warten Investoren auf Buffetts nächste große Investition. Sein Spitzname in der Finanzszene: Orakel von Omaha (Berkshire-Sitz und Buffetts Geburtsort). Doch Buffett tut sich mit Zukäufen seit Langem schwer, da ihm die Bewertungen zu hoch sind. Während der Coronakrise hielt sich der Mäzen bisher weitgehend bedeckt. Zuletzt hatte der Chef von Fisher Investments, Kenneth Fisher, im Interview mit dem US-Sender CNBC behauptet, Buffett wäre zu alt. „Die Realität von großen Investoren – meinen Vater eingeschlossen – ist, dass sie ab einem gewissen Alter ihre Wettbewerbsfähigkeit verlieren. Ich suggeriere nicht, dass Buffett diese verloren hat, aber historisch betrachtet kann ich niemanden in seinem Alter finden, der in Krisenzeiten nicht relativ handlungslos geblieben ist“, sagte der Milliardär.

Die Aussage erscheint etwas dreist. Schließlich ist Berkshire Hathaway an etwa 90 Firmen unterschiedlichster Branchen beteiligt. Die 1955 gegründete Firma hält etwa Anteile an Apple, Coca-Cola sowie dem Ketchup-Hersteller Kraft Heinz. Buffett steht seit 1965 an der Spitze von Berkshire Hathaway und hat das Unternehmen mit zahlreichen renditeträchtigen Investments zu einem der weltgrößten Anleger aufgebaut.

Rekordverlust von 50 Mrd. Dollar

Die Beteiligungsgesellschaft hatte den Betriebsgewinn im ersten Quartal trotz Covid-19 deutlich gesteigert. Verglichen mit dem Vorjahreswert kletterte das Ergebnis um rund sechs Prozent auf 5,9 Milliarden Dollar (5,3 Mrd. Euro), wie Berkshire Hathaway am Samstag mitteilte. In der wichtigen Versicherungssparte legten die Einnahmen kräftig zu. Beim Nettoergebnis verzeichnete Berkshire Hathaway dagegen einen Rekordverlust von 50 Milliarden Dollar, da die jüngsten Börsenturbulenzen viele Aktien der Beteiligungsgesellschaft massiv ins Minus drückten. Als Gradmesser für den Geschäftsverlauf gilt diese Kennzahl jedoch als ungeeignet, da sie durch den Ausweis unrealisierter Investmentgewinne und -verluste verzerrt ist und enorm schwankt. Zum Vergleich: Im Vorjahreszeitraum hat es hier einen Überschuss von 21,7 Milliarden Dollar gegeben.