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Es scheint, die Frau ist nie so, wie sie sein soll

Um ein besseres Sprachbewusstsein in der Bevölkerung zu fördern und zu lernen, sorgsamer mit Wörtern umzugehen, wären die Schulen gefordert.

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Ich habe den Eindruck, dass es in der deutschen Sprache für Frauen mehr Schimpfwörter gibt als für Männer und davon (besonders seitens der Männer) inflationär Gebrauch gemacht wird.

Einige davon sind sogar männlich wie der "Trampel", obwohl dieser Ausdruck nie einem Mann zugeordnet wird. Der "Luder"-Sager des Tiroler LH-Stellvertreters hat die Diskussion wieder ins Rollen gebracht und gezeigt, wie fest diese Schimpfwörter im Sprachbewusstsein der Bevölkerung verankert sind.

Es scheint der Gesellschaft immanent zu sein, dass die Frau nie so ist, wie sie sein soll, dass sie nie ganz "richtig" ist. Einmal ist sie beruflich zu ambitioniert (Rabenmutter), dann wieder zu wenig (Glucke), zu männlich (Mannweib), zu weiblich (Tussi), zu defensiv (Mauerblümchen), zu offensiv (Kratzbürste), vor allem zu offensiv in sexuellen Dingen mit den bekannten herabwürdigenden Ausdrücken (Zitat: Alicia Lindhoff, "Frankfurter Rundschau").

Um ein besseres Sprachbewusstsein in der Bevölkerung zu fördern und zu lernen, sorgsamer mit Wörtern umzugehen, wären wiederum die Schulen gefordert. Als Grundlage dafür müsste der Rat für deutsche Rechtschreibung tätig werden, als Instrument der deutschsprachigen Kultusminister, um Empfehlungen für den richtigen Gebrauch der deutschen Sprache zu erarbeiten.

Schimpfwörter gab es schon immer, wird es sie immer geben. Aber die Pflege der Sprachkultur ist entscheidend für den richtigen, sprich ethisch und moralisch richtigen Umgang mit der Sprache. Wie es schon in der Bibel steht: "Im Anfang war das Wort."

Christof Grabner, 1120 Wien