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Karikatur

„Grindiger Sexismus": Protest gegen Karikatur von Rendi-Wagner

PK ´ROTES FOYER´ SP� ´STAATLICH GEF�RDERTE 4-TAGE-WOCHE´: RENDI-WAGNER
Pamela Rendi-Wagner(c) APA (HELMUT FOHRINGER)
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Die Darstellung der SPÖ-Parteichefin in einer Karikatur der „Oberösterreichischen Nachrichten“ sei sexistisch, finden auch ÖVP-Ministerinnen. Die Zeitung selbst betont die künstlerischen Freiheit.

In den „Oberösterreichischen Nachrichten“ erschien am Mittwoch eine Karikatur, die SPÖ-Parteichefin Pamela Rendi-Wagner leicht bekleidet aus einer Torte springend zeigt. Breit grinsend hält sie ein Schild mit der Aufschrift „Forderungen“ in der Hand. Die Torte ist mit dem Schriftzug „Kraft-Paket“ versehen. Unter diesem Titel präsentierte Rendi-Wagner am Dienstag ihre Vorstellungen davon, wie die Sozialdemokratie Österreich aus dem Wirtschaftsabschwung wieder nach oben führen würde.

Die Karikatur wurde am Mittwoch vom Österreichischen Frauenring scharf verurteilt: „Frauen in den politischen Parteien sind gewählt, um ihre Politik zu machen, egal ob man damit einverstanden ist oder nicht“, schrieb dieser auf Twitter. „Keine von ihnen hat es sich verdient, so dargestellt zu werden!“ Protest an der Karikatur kam aber auch von unerwarteter Seite: Die ÖVP-Ministerinnen Susanne Raab (Frauen und Integration) und Elisabeth Köstinger (Landwirtschaft, Zivildienst) verurteilten die Zeichnung.

„Frauen in der Politik springen nicht leicht bekleidet aus Torten! Auch wenn man Meinungen/Forderungen nicht teilt: das ist unerträglich“, schrieb Köstinger auf Twitter.

„Karikatur hin oder her: Diese sexistische Darstellung von Frauen in der Politik geht gar nicht“, protestierte Raab.

Kritik kam auch von den Ministerinnen Alma Zadic und Leonore Gewessler (Grüne): „Dieser Sexismus ist einfach nur grindig und eine Herabwürdigung von Politikerinnen“, schrieb Justizministerin Zadic auf Twitter. Infrastrukturministerin Gewessler konstatierte: „Sexismus bleibt Sexismus und ist und bleibt unerträglich. Ob in der Politik, oder im Alltag. Das geht gar nicht."

Leserbrief von SPÖ-Frauen

Die SPÖ-Bundesfrauenvorsitzende Gabriele Heinisch-Hosek und die designierte oberösterreichische Frauenvorsitzenden der SPÖ, Renate Heitz, wendeten sich mit einem Leserbrief an die „Oberösterreichischen Nachrichten“: „Wir sind entsetzt über die Darstellung unserer Bundesparteivorsitzenden in einer Karikatur der Oberösterreichischen Nachrichten vom 7.7.2020. Eine Spitzenpolitikerin als "Nummerngirl" (sic!) darzustellen, ist unerträglicher Sexismus und hat auch in einer Karikatur nichts zu suchen“, heißt es in dem gemeinsamen Statement, das auch auf Facebook veröffentlicht wurde. „Man kann Inhalte kritisieren und diese auch lustig oder zum Schmunzeln darstellen, das ist die Aufgabe von Karikaturen. Die sexistische Herabwürdigung von Frauen in ihrer Funktion können wir aber nicht akzeptieren - das ist einfach kein Witz und nicht zum Schmunzeln. Sexismus hat viele Gesichter – egal ob es ein Landeshauptmann-Stellvertreter, ein Fußballverein oder ein Karikaturist macht. Und wir werden uns immer gegen jedes dieser Gesichter wehren.“

Die „Oberösterreichischen Nachrichten" veröffentlichten den Brief inihrer Donnerstagausgabe. Darunter druckte die Zeitung eine Anmerkung der Redaktion: „Wir bekennen uns zur künstlerischen Freiheit unserer Karikaturisten. Satire und Kunst sollten in ihrer Zuspitzung grundsätzlich großen Spielraum haben, und der reduziert sich, unabhängig vom oben genannten Beispiel, nicht allein auf Witz oder Schmunzeln. Sollten wir mit dem Abdruck dieser Karikatur die Gefühle von Frauen verletzt haben, so tut uns dies leid. Es lag weder in unserer Absicht noch in der unseres Karikaturisten."

Rendi-Wagner: „Geht gar nicht"

Rendi-Wagner selbst sagte im Ö1-Morgenjournal am Donnerstag: „Was gar nicht geht, ist, wenn Frauen sexistisch diffamiert werden", und "das haben die Verantwortlichen der Zeitung eingesehen und sie haben sich entschuldigt". Umso mehr habe sie "die breite Solidarität über alle Parteigrenzen hinweg" gefreut. Aber, so die SPÖ-Chefin: „Da haben wir noch viel Arbeit vor uns."

 

(her)