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Levi Strauss

Jobabbau beim Erfinder der Blue Jeans

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Der im 19. Jahrhundert gegründete Kultkonzern schreibt rote Zahlen und kürzt 15 Prozent der Stellen.

20. Mai 1873 – das Datum gilt als Geburtstag der Blue Jeans. Levi Strauss war ein Einwanderer aus Bayern, der in San Francisco Mitte des 19. Jahrhunderts ein Textilgeschäft eröffnete. Damals war es robuste Arbeitskleidung, heute sind Jeans Standard in der Modewelt. Eng, weit, lang, kurz, Hosen oder Röcke – kein Kleiderschrank kommt ohne sie aus. Levi's ist längst Kultmarke und Levi Strauss eine der traditionsreichsten Firmen der USA. Aber es lief schon einmal besser. Am Mittwoch vermeldete der Jeans-Pionier einen Umsatzrückgang und rote Zahlen.

Im zweiten Quartal sackten die Erlöse im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 62 Prozent auf 498 Millionen Dollar (442 Mio. Euro) ab. Das gab das Unternehmen am Dienstag nach US-Börsenschluss in San Francisco bekannt. Unter dem Strich stand im zweiten Quartal ein Verlust von 363 Millionen Dollar. Der Konzern rechtfertigte das Minus mit Sonderkosten während der Coronapandemie. Nun will Levi Strauss die Kosten senken und dafür 15 Prozent der Stellen außerhalb von Verkauf und Produktion einsparen. Das entspricht rund 700 Bürojobs. Laut eigenen Angaben hat Levi's rund 14.400 Mitarbeiter. Mit dem Paket sollen 100 Millionen Dollar im Jahr eingespart werden.

Angriff der Jogginghose

Das Unternehmen ist erst voriges Jahr nach Jahrzehnten an die Börse zurückgekehrt. Den ersten Börsengang gab es 1971, Mitte der 1980er-Jahre zog man sich jedoch wieder zurück. Seit dem Comeback im Vorjahr ist der Wert der Aktie deutlich gesunken. Zuletzt notierte sie bei umgerechnet rund zwölf Euro. Vor einem Jahr waren es noch um die 20 Euro. Nicht gerade das, was man eine Erfolgsgeschichte nennt.

Abseits des Finanzmarktes hat Levi's diese jedoch sehr wohl hingelegt. Im Jahr 1873 ließen Levi Strauss, der Einwanderer aus Bayern, und sein Geschäftspartner Jacob Davis die heutigen Blue Jeans patentieren. Trugen sie erst nur Arbeiter, fand sie später ihren Fixplatz in der Modewelt. Mit der „501“ als bekanntester Repräsentantin. Levi's hatte es immer wieder nicht leicht.

Zwischenzeitlich setzte der Trend zu sportlicher Freizeitkleidung dem Konzern zu, der es erlaubte, Jogginghosen auch außerhalb von Wohnung, Haus und Fitnesscenter zu tragen. 2015 brach der Umsatz um mehr als fünf Prozent ein. Levi's investierte in Werbung, Markenpflege und Stretch-Material, das Jeans bequemer machen sollte. 2018 stieg der Umsatz sprunghaft an: Von 4,9 auf 5,6 Milliarden Dollar (fünf Milliarden Euro). Der Gewinn erholte sich leicht.

Voriges Jahr legte Levi's dann einen Gewinnsprung um 40 Prozent auf fast 400 Millionen Euro hin. Der Trend zu weiten, geraden Jeans mit festem Stoff spielt Levi's in die Hände. Die alten Modelle sind auch auf dem Secondhand-Markt beliebt. Trotzdem liefen zumindest die vergangenen Monate nicht allzu rund. Man sei stark in das Jahr gestartet, aber die Pandemie und die Wirtschaftskrise hätten einen „signifikant schlechten Einfluss“ auf die Ergebnisse im zweiten Quartal gehabt, weil die Geschäfte rund um die Welt den größten Teil des Quartals geschlossen blieben, teilte Vorstandschef Chip Bergh in einer Aussendung mit.

Eigentümer behalten Einfluss

Bis zum Börsengang voriges Jahr gehörte der Konzern allein den Nachfahren des Firmengründers. Levi Strauss verstarb im Jahr 1902 kinderlos. Seine Firma vermachte er seinen Neffen und anderen Familienmitgliedern. Sie sicherten sich ihren Einfluss auch über den Börsengang hinaus: Ihre Aktien verfügen über mehr Stimmrechte als die anderer Investoren. (hie)