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Venedig testet umstrittene Hochwasserschutz-Anlage

A seagull is seen in Grand Canal, amid the coronavirus disease (COVID-19) outbreak, in Venic
REUTERS
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Schon seit 17 Jahren wird an der Hochwasserschutzanlage gearbeitet. Sie soll die Unesco-Welterbestadt besser vor Fluten schützen.

In Venedig wird am Freitag das milliardenteure Dammprojekt Mose (Modulo sperimentale elettromeccanico) getestet, das die Lagunenstadt vor Überflutungen schützen soll. In Anwesenheit von Premier Giuseppe Conte, von Verkehrsministerin Paola De Micheli und von Bürgermeister Luigi Brugnaro werden erstmals alle beweglichen Barrieren gleichzeitig aufgestellt.

Das Dammsystem soll Ende 2021 fertiggebaut werden. "Ich hoffe, dass alles gut verläuft, denn Venedig braucht den MOSE, ein einmaliges Projekt, das ich stark unterstütze", sagte Brugnaro im Interview mit dem TV-Sender "Antenna 3". Laut dem Stadtchef gebe es keine alternativen Lösungen zum Mose. Im vergangenen Dezember und im Jänner waren bereits einige der beweglichen Barrieren am größten der drei Eingänge der Lagune getestet worden.

Die Barrieren können bei drohendem Hochwasser die drei Eingänge der Lagune versperren, bei normalem Wasserpegel liegen die Elemente mit Wasser gefüllt am Meeresgrund. Sobald das Wasser auf 110 Zentimeter über den Normalwert steigt, wird Luft in die Barrieren gepresst, sodass sie sich aufrichten und der Flut den Weg in die Lagune abschneiden.

Hochwasser im November 2019

In der Nacht auf den 13. November 2019 war das Wasser in Venedig - verursacht durch starken Schirokko-Wind - auf 187 Zentimeter über dem Meeresspiegel gestiegen. Das war der höchste Wert seit der verheerenden Überschwemmung im Jahr 1966, als 194 Zentimeter Höhe erreicht wurden.

Die Bauarbeiten für das Großprojekt hatten bereits 2003 unter der Regierung von Silvio Berlusconi begonnen. Korruptionsskandale, technische Schwierigkeiten und Finanzierungsengpässe verzögerten die ursprünglich für 2017 geplante Fertigstellung jedoch. Noch unklar ist, wie viel das Projekt den öffentlichen Kassen kostete. Laut der Tageszeitung "Il Fatto Quotidiano" (Mittwochausgabe) liegt der Preis weiter über die sechs Milliarden Euro, die die Regierung angegeben hat. 33 Verfahren sind gegen das Konsortium"Venezia Nuova" im Gange, die das Projekt umgesetzt hat.

Die Idee zu dem mobilen Deichsystem entstand bereits in den 1960er-Jahren, nachdem 1966 eine Flut katastrophale Schäden in der Stadt verursacht hatte. Nach weiteren schweren Überschwemmungen erklärte die Regierung in Rom die Rettung Venedigs zu einer Angelegenheit von nationalem Interesse.

(APA/dpa)