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Schnellauswahl
Analyse

Eine Schicksalswahl für Polen

Der liberale Oberbürgermeister von Warschau, Rafał Trzaskowski, rechnet sich Chancen aufs Präsidentenamt aus.
Der liberale Oberbürgermeister von Warschau, Rafał Trzaskowski, rechnet sich Chancen aufs Präsidentenamt aus.REUTERS
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Amtsinhaber Andrej Duda und sein liberaler Herausforderer, der Warschauer Oberbürgermeister Rafał Trzaskowski, liegen vor der Präsidentenstichwahl am Sonntag Kopf an Kopf.

Warschau. Die junge Uni-Dozentin Anita flüstert, wenn sie über die Wahlen vom Sonntag spricht: „Ich werde für Duda stimmen“, gesteht sie. „Aber an der Hochschule sage ich das niemandem, denn Duda gilt dort als eine dumpfe Zuckerrübe.“ Die Dozentin aus der liberalen Wirtschaftsmetropole Poznan (Posen) gehört zu einem Untergrund in Polen, der bei der Stichwahl entscheidend sein könnte. Es handelt sich um Dudas stilles Wählerreservoir, das in keinen Umfragen aufscheint und nun dennoch zur Wahl gehen wird.

Die Stimmung im Lande ist aufgeheizt. Alte Bekannte rufen laut Anita plötzlich an und agitieren für Rafał Trzaskowski. In den sozialen Medien tobt der Krieg des konservativen Regierungslagers gegen die liberale Opposition schon lang. Fast zehn Millionen Stimmberechtigte sind bei der Vorausscheidung nicht an den Urnen erschienen. Viele davon haben den seit 15 Jahren andauernden Bruderkrieg der beiden einstigen ehemaligen „Solidarność“-Lager satt, darunter viele Polen, die nach 1989 geboren sind. Deshalb werden die Jungen besonders umworben.