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Mit Beginn der Covid-Krise hielt auch der Mund-Nasen-Schutz Einzug in unseren Breitengraden. Allerdings wurde ihr Nutzen zunächst nicht klar kommuniziert – die Unsicherheit ist geblieben.
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Mund-Nasen-Schutz

Warum die Gesichtsmaske so aufregt

Seit die Maskenpflicht sukzessive fiel, ist das freiwillige Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes zu einem Dogma geworden. Die Debatte dreht sich um die Frage: Warum sollte ich die Gesundheit anderer schützen, die es für mich nicht tun?

Als aus einem Stück Stoff ein Reizobjekt wurde: Seit der großflächigen Aufhebung der Maskenpflicht ist der Mund-Nasen-Schutz so schnell aus dem Alltag verschwunden, wie er Monate zuvor plötzlich da war. Das Tragen basiert nun in den meisten Alltagssituationen auf Freiwilligkeit, und das hat das Stück Stoff zu einem Dogma gemacht. Gegner und Befürworter liefern sich einen verbalen Schlagabtausch, während der medizinische Nutzen von den meisten Ärzten nicht mehr infrage gestellt wird. Vorausgesetzt: Alle tragen sie.

„Ohne Maske glaubt jeder, es kann nichts passieren“, sagt Harald Mayer, Vizepräsident der Ärztekammer. In seiner Heimat Oberösterreich ist jüngst die Maskenpflicht wieder eingeführt worden, was Mayer ausdrücklich begrüßt – und er geht davon aus, dass die Pflicht früher oder später bundesweit wieder kommen wird. Denn die Zahl der Neuinfektionen wird nicht weniger. „Mit dem Wegfall“, sagt der Arzt, „ging jegliche Distanz verloren, jegliches Verständnis dafür, dass das Virus noch da ist.“ Der Mund-Nasen-Schutz habe auch unmittelbar an andere Schutzmaßnahmen erinnert, wie etwa das Abstandhalten. Sind wir also nur dann vorsichtig, wenn es eine Pflicht dafür gibt? Und warum regt ein Stück Stoff über dem Mund dermaßen auf?

Wie bei einem Parkverbot: „Ohne Bußgeld würde sich niemand daran halten.“


Der Soziologe Andreas Diekmann von der ETH Zürich hat die Debatte genau beobachtet, und er macht eine Entwicklung aus, die er „bedingte Kooperation“ nennt: Ich kooperiere, wenn die anderen auch kooperieren. Es ist wie so oft bei Allgemeingütern, zu deren Erhalt alle beitragen müssen. Mit Steuern wird der Staat am Leben erhalten, man selbst zahlt sie aber ungern. Zum Schutz des Klimas müssten alle Verzicht üben, man selbst will aber doch fliegen. Mit dem Tragen der Maske unterstützt man während der Covid-Krise das Allgemeingut Gesundheit, doch warum soll ich eine verwenden, wenn es die anderen auch nicht tun? Denn das ist ja die Crux mit der Maske, sie dient in erster Linie zum Schutz des Gegenübers; bei Allgemeingütern steht eben nicht das Eigeninteresse im Vordergrund. „Es ist wie bei einem Parkverbot“, sagt Diekmann, „es würde sich niemand daran halten, wenn es kein Bußgeld gäbe. Das Parkverbot verletzt man aus Eigeninteresse. Bei der Maskenpflicht ist es genauso: Man selbst hat eine Unbequemlichkeit, um andere zu schützen. Deswegen ist es ohne die Pflicht kaum umsetzbar.“

Bei der Maske kommt zusätzlich hinzu, und darauf weist auch Arzt Harald Mayer hin, dass sie sichtbar ist. Ein sichtbares Symbol dafür, dass sich gerade ein unsichtbares Virus gefährlich ausbreitet. So ist der wichtigste Vorteil der Maske auch ihr größter Nachteil: „Wenn wir sie aufhaben“, sagt die Psychologin Natalia Ölsböck, „erinnert sie uns das daran, dass ein Virus umgeht und wir vorsichtig sein müssen. Das haben viele mit dem Fallen der Maskenpflicht wieder vergessen.“