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Kurze Verschnaufpause

Ziemlich wired entwickelt sich zunehmend der Krimi um den gefallenen Börsenliebling Wirecard weiter.
Ziemlich wired entwickelt sich zunehmend der Krimi um den gefallenen Börsenliebling Wirecard weiter.(c) APA/AFP/CHRISTOF STACHE
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Wiredcard oder: Warum sich manche Politiker noch mehr über die Ferien freuen als die Schüler.

Mit diesem Wochenende haben also die Schulen in ganz Österreich geschlossen. Sind es sonst vor allem die Schülerinnen und Schüler, viele Pädagogen und so manche Eltern, die sich darüber so richtig freuen, hat dieses Jahr eine andere Gruppe die großen Ferien wohl noch ungeduldiger herbeigesehnt: die politisch Verantwortlichen.

Zumindest einmal für gut zwei Monate gibt es keine mühsamen Debatten über das Auf- und Zusperren, geteilte Klassen, geschlossene Turnsäle, keine entnervten Eltern, allein gelassene Lehrerinnen und Lehrer und unausgelastete Kinder. Immerhin. Allerdings wissen vom Bildungsminister abwärts alle genau: Es ist wie für schlechte Schüler nur eine kurze Verschnaufpause, im September geht es unerbittlich weiter.

Während die Schulen also zu sind, müssen an den Universitäten manche Prüfungen im Sommer nachgeholt werden. Unter anderem auch der Aufnahmetest für das Medizinstudium im Herbst. Und obwohl diese Monsterprüfungen mit insgesamt 17.500 Bewerbern wegen Corona schon an mehr als den üblichen Standorten ausgetragen werden, bleiben es in der Messe Wien an die 5800 Bewerber (ungefähr ein Studienplatz kommt auf zehn Prüflinge), die da zur gleichen Zeit um das Kontingent für Human- und Zahnmedizin antreten müssen. Ein kompliziertes Sicherheitskonzept soll verhindern, dass aus dieser Bewerbung für ein Studium ein weiteres Ischgl wird. Könnte sein, dass so mancher Konzertveranstalter genauer hinschaut, wenn da ausnahmsweise fast 6000 Menschen an einen Ort zusammenkommen dürfen.

Gut möglich übrigens, dass die Bewerber für eine medizinische Ausbildung in den kommenden Jahren noch deutlich mehr werden. Denn nachdem zuletzt Berufe wie Klimaforscher geboomt haben, könnte nun Virologe (neben Maskenschneider) der Beruf der Stunde werden.

Ziemlich wired entwickelt sich zunehmend der Krimi um den gefallenen Börsenliebling Wirecard weiter. Als hätte es nicht schon genügt, dass 1,9 Milliarden Euro erfunden wurden, um Geschäftserfolg vorzutäuschen, geht es jetzt plötzlich um Geheimdienstkontakte, Verbindungen zu BVT- und Ibiza-Skandal und die vielleicht aufsehenerregendste Flucht eines Österreichers seit Udo Proksch. Den hat man letztlich auch erwischt.

florian.asamer@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 12.07.2020)