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Autokonzern

Turbulente Zeiten bei VW

Im Volkswagen-Konzern geht es rund: Konzernchef Herbert Diess stand angeblich knapp vor der Ablöse, jetzt rührt er in der Führung des Konzerns um.
Im Volkswagen-Konzern geht es rund: Konzernchef Herbert Diess stand angeblich knapp vor der Ablöse, jetzt rührt er in der Führung des Konzerns um.(c) imago images/Jan Huebner
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Beim Golf VIII und dem Elektroauto ID.3 häuften sich die Probleme, dann stand Konzernchef Herbert Diess knapp vor dem Rauswurf, jetzt muss der erfolgreiche Skoda-Chef Maier gehen.

Es hat Tradition im VW-Konzern: Üblicherweise führt der Konzernchef auch die wichtigste Marke, also VW. So haben es die früheren Vorsitzenden Ferdinand Piëch, Bernd Pischetsrieder und auch Martin Winterkorn gehalten. Und so hielt es auch der aktuelle Vorstandsvorsitzende, Herbert Diess. Bis jetzt. Seit Anfang Juli leitet Ralf Brandstätter die Geschicke von VW, bisheriger Co-Geschäftsführer von Diess.

Das ist ein einmaliger Einschnitt bei VW. Offiziell will der Aufsichtsrat Diess „mehr Freiraum“ geben. Inoffiziell dürfte Diess nur knapp dem Rauswurf entgangen sein. Grund dafür sind mehrere Ereignisse, die in der Coronakrise weitgehend untergegangen sind.

Der Händlerverband kritisierte den „außerordentlichen Umfang an Mängeln“.



Da waren zuerst die Probleme beim Golf VIII, der Ende vergangenen Jahres offiziell präsentiert worden war. Noch immer ist er eines der wichtigsten Modelle des Konzerns. Doch VW musste die Auslieferung stoppen, weil es Schwierigkeiten mit der Software gab. Das nahm solche Dimensionen an, dass sich der VW- und Audi-Händlerverband einschaltete: „Dieser außerordentliche Umfang an Mängeln ist bedauerlich“, kritisierte Chef Dirk Weddigen öffentlich.

Der mächtige Betriebsratschef, Bernd Osterloh, hatte seinem Ärger über die nicht abreißenden Probleme schon zuvor Luft gemacht. Den Start der achten Auflage des Golf bezeichnete er als „missraten“, die Zahlen seien ein Trauerspiel. Von den geplanten 100.000 Stück seien 2019 in Wolfsburg nur rund 8400 produziert worden.

Auch beim großen Hoffnungsträger des Konzerns gab es Schwierigkeiten – dem ersten reinen Elektroauto ID.3, für das um Milliarden eine eigene, neue Elektro-Plattform entwickelt wurde. Diess setzt massiv auf Elektroautos und nimmt dafür viel Geld in die Hand. Eigentlich sollte der ID.3 im Sommer ausgeliefert werden, jetzt spricht man von September.

Schuld war nicht nur die Coronakrise, sondern auch hier wieder Entwicklungs- und Softwareprobleme. „Super läuft es nicht“, zitierte die „Süddeutsche Zeitung“ im März einen VW-Sprecher. Aus dem Konzern lieferte das Blatt ganz andere Zitate: „Das ist nicht mehr zum Lachen“, habe einer über die Probleme gesagt. Von einem „absoluten Desaster“ habe ein anderer gesprochen.

Den einflussreichen Vertrauensleuten der Gewerkschaft IG Metall riss der Geduldsfaden. In einer beispiellosen Aktion sprachen sie dem Vorstand per offenem Brief das Misstrauen aus. Man sei „zunehmend massiv besorgt“, vermisse eine klare Krisenstrategie zu den Produktionsproblemen sowie zum öffentlichen Bild, das VW abgebe.