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Leitartikel

Lasst uns auch über Integrationserfolge reden

Es darf nicht einreißen, dass Kurden und Türken ihren Konflikt auf Wiens Straßen austragen.
Es darf nicht einreißen, dass Kurden und Türken ihren Konflikt auf Wiens Straßen austragen.(c) APA/GEORG HOCHMUTH
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Wer Probleme bei der Integration einzelner Zuwanderergruppen leugnet, ist nicht tolerant, sondern ignorant. Eine negative Dauerbeschallung heizt die Entfremdung jedoch zusätzlich an.

Zwei Wochen sind seit den Unruhen in Wien-Favoriten vergangen. Doch das Thema hallt immer noch nach, auch weil an den Lautstärkereglern innenpolitische DJs der ÖVP sitzen, die auf die Wiener Wahl am 11. Oktober einstimmen. Es gibt allerdings gute Gründe, nach den Ausschreitungen nicht zur Tagesordnung überzugehen. Es darf nicht einreißen, dass Kurden und Türken ihren Konflikt auf Wiens Straßen austragen. Die Republik muss ein Stoppsignal hochziehen, wenn Gewalttäter das Recht auf Versammlungsfreiheit durch Attacken auf Demos infrage stellen.

Vor allem aber können Regierungsverantwortliche nicht die Hände in den Schoß legen, wenn tatsächlich eine ausländische Macht, nämlich die Türkei, bewusst Unfrieden in Österreich säen sollte. Innenminister Karl Nehammer hat den Verdacht geäußert, der türkische Geheimdienst könnte hinter den Angriffen auf die Kundgebungen stecken. Das ist ein ernster Vorwurf. Nehammer sollte ihn deshalb konkretisieren und Beweise vorlegen, nicht nur Indizien wie den Umstand, dass türkische Dokumentationsteams im Einsatz waren, die ihre Kameras auf kurdische Aktivisten richteten. Sonst entsteht der Eindruck, er wolle die Sache hochjazzen.