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Gastkommentar

Was kommt nach der liberalen Weltordnung?

(c) Peter Kufner
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Es braucht für die vielen Herausforderungen regelbasierte globale Institutionen mit unterschiedlichen Mitgliedschaften.

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Zahlreiche Analytiker behaupten, mit dem Aufstieg Chinas und der Wahl Donald Trumps zum US-Präsidenten sei die liberale internationale Ordnung zu Ende gegangen. Doch sollte Joe Biden im Falle eines Wahlsiegs im November versuchen, diese Ordnung wieder herzustellen? Das vielleicht nicht, aber er wird sie ersetzen müssen.

Kritiker weisen zu Recht darauf hin, dass die amerikanische Ordnung nach 1945 weder global noch besonders liberal war. Mehr als die Hälfte der Welt (der Ostblock und China) gehörte nicht dazu, dafür aber zahlreiche autoritäre Staaten. Amerikas Hegemonialanspruch wurde immer übertrieben. Aber das mächtigste Land musste bei der Schaffung globaler öffentlicher Güter die Führung übernehmen.

Ein realistisches Ziel einer möglichen Biden-Regierung sollte es sein, regelbasierte internationale Institutionen mit unterschiedlichen Mitgliedschaften für verschiedene Fragen zu schaffen. Würden China und Russland einer Teilnahme zustimmen? In den 1990er- und 2000er-Jahren konnte keines der beiden Länder ein Gegengewicht zur Macht der USA bilden, und die USA setzten sich in ihrem Streben nach liberalen Werten über die Souveränität von Staaten hinweg. Sie bombardierten Serbien und marschierten ohne Zustimmung des UNO-Sicherheitsrates im Irak ein.