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Kolumne zum Tag

Warum sind Isländer nicht Isen und Iren nicht Irländer?

(c) imago images/imagebroker
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Wussten Sie übrigens, dass Computer in Island aus den Wörtern Zahl und Hellseherin gebildet wird?

Im Urlaub hat man Zeit, sich über Dinge Gedanken zu machen, für die man sonst keine Zeit hat. Hat Sie, zum Beispiel, schon jemals die Frage beschäftigt, warum die Einwohner von Irland Iren und jene von Island Isländer heißen? Es könnte doch genauso gut Irländer und Isen geben. Nun, vermutlich hat das damit zu tun, dass die Länder, bei aller Ähnlichkeit, doch andere Dinge in ihren Ländernamen tragen. So wurde Irland wohl nach seinen Bewohnern benannt, einem keltischen Stamm namens ?rainn. Während Island wegen der vielen Gletscher als Eisland bezeichnet wurde. Das klingt zumindest nach einer plausiblen Erklärung – allerdings kennt der „Duden“ auch den Irländer, wenn auch mit dem Vermerk, dass die Bezeichnung seltener verwendet wird. Blättert man hingegen zum Isen, wird man nicht fündig – und landet nur bei Isegrimm, dem Namen des Wolfs in der Fabelwelt, allerdings kommt da die Ableitung nicht vom Eis, sondern vom Eisen.

Aber wenn wir schon bei den Isländern sind: Sprachpuristen blicken neidvoll auf den nordischen Inselstaat, weil dort eine eigene Kommission darauf achtet, dass Fremdwörter mit isländischen Wortkreationen ersetzt werden. Statt Computer sagt man etwa „tölva“, zusammengesetzt aus „tala“ (Zahl) und „völva“ (Hellseherin). Und das Spiel wird noch weiter getrieben – ein Laptop heißt „Fartölva“ (Fahrzahlenseherin), ein Tablet „Spjaldtölva“ (Schildzahlenseherin). Und wer zum Smartphone greift, hat ein Snjallsími in der Hand, gebildet aus „simi“, dem isländischen Wort für Telefon, ursprünglich abgeleitet von Draht, und „snjall“, was so viel wie klug bedeutet. Statt Büro sagt man „Skrifstofa“ (Schreibstube), ein Panzer ist ein kriechender Drache, und eine Drohne ist ein Maschinenvögelchen.
Aber genug davon – hoffentlich habe ich jetzt niemanden auf eine komische Idee gebracht . . .

E-Mails an: erich.kocina@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 13.07.2020)