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Wie rassistisch ist „Otto – der Film“?

Eberhard Feik Otto Waalkes Otto Otto Waalkes r macht Bekanntschaft mit einem Gro�stadt Schlachter
Ein Autor des Stadtmagazins „tip Berlin“ hat den Film mit seinem zehnjährigen Sohn gesehen: „Es wurde wider Erwarten ein verstörendes Erlebnis.“(c) imago/United Archives (imago stock&people)
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In dem Film wird ein schwarzer GI als Sklave verkauft, auch das Wort Neger fällt. Für die Produktionsfirma ist das eindeutig Satire. Für einen Verein Schwarzer Menschen mangelt es an Rassismusverständnis.

Vor 35 Jahren kam „Otto - der Film“ auf die Leinwand und gehört mit fast 15 Millionen Zuschauern zu den erfolgreichsten deutschen Kinofilmen. Doch nun ist um die Komödie, die derzeit auf Netflix abrufbar ist, eine Rassismusdebatte entbrannt. Vor allem geht es dabei um die Szenen, in denen Komiker Otto Waalkes einen schwarzen GI kennenlernt und mit ihm einen Trickbetrug durchführt. Dargestellt wird der Soldat vom schwarzen deutschen Schauspieler Günther Kaufmann. Otto erläutert dem Mann, was ein „Neger" ist, damals gebräuchlich, heute eine rassistische Bezeichnung für Schwarze. „Schwarzer Kopf, schwarzer Bauch, schwarze Füß“, sagt Otto. Worauf Kaufmanns Figur lachend versteht und ihn wiederum angesichts seiner dreckigen Füße fragt: „Du Neger?“. Später wird der afroamerikanischen GI scheinbar einer älteren Dame als Sklave verkauft.

In einigen deutschen Kinos soll der Film passend zum Jubiläum ab 30. Juli wieder gezeigt werden. Das Stadtmagazin „tip Berlin" löste nun aber eine Rassismus-Debatte um den Film aus. Der Autor schreibt, er habe den Film vor Kurzem mit seinem zehnjährigen Sohn gesehen: „Es wurde wider Erwarten ein verstörendes Erlebnis.“

„An mehreren Stellen im Film werden schwarze Menschen diffamiert. Das N-Wort fällt und es gibt eine ganze Szene, in der Otto gemeinsam mit einem dunkelhäutigen US-Soldaten einen Trickbetrug durchzieht und den afroamerikanischen GI, den er auch noch 'Herrn Bimbo' nennt, einer älteren Dame als Sklaven verkauft“, kritisiert der Autor. „Es mag ja sein, dass er mit den Gags auf den unterschwelligen Rassismus in der bundesdeutschen Wirklichkeit der 1980er-Jahre hinweisen wollte. Aber es geschieht mit einer Plumpheit, die heute einfach nicht mehr zeitgemäß ist und daher besteht Redebedarf.“ Er empfiehlt, den Kindern nach dem Film zu erklären, dass man Worte wie Neger und Bimbo heute nicht mehr benutze. 

„Über jeden Verdacht erhaben"

Die Produktionsfirma Rialto Film in Berlin wehrt sich gegen diese Sichtweise: „Die Szene in 'Otto - der Film', in der Otto und ein dunkelhäutiger GI versuchen, einer unfassbar törichten Person einen Sklaven zu verkaufen, ist möglicherweise ein sehr frühes Beispiel für anti-rassistische Komik im deutschen Film", sagt Geschäftsführer Matthias Wendlandt.

„Die Drehbuchautoren Bernd Eilert, Robert Gernhardt und Pit Knorr sind als Mitglieder der Neuen Frankfurter Schule und Gründer der Satirezeitschrift 'Titanic' über den Verdacht rassistischer Haltung erhaben, ebenso wie Otto Waalkes selbst.“ Ihre Darstellung einer völlig unreflektiert, in selbstverständlichem Rassismus verhafteten „Sklaven-Käuferin" sei „eine deutlich erkennbare Satire".

„Wer diese groteske Szene als rassistisch empfindet, bringt offensichtlich ein Vorurteil mit, das sich durch die bloße Nennung bestimmter Begriffe gerechtfertigt wähnt, ohne die Absicht, den Zusammenhang und eine andere Deutung auch nur in Betracht zu ziehen“, meint Wendlandt.

„Traditionen, die diskriminieren, sind nicht erhaltenswert"

Der Verein Initiative Schwarze Menschen in Deutschland sieht das anders. „Dass selbst bei solch offenkundigen rassistischen Inhalten noch geleugnet wird beziehungsweise eine anti-rassistische Intention 'reingezaubert' wird, ist symptomatisch für das mangelnde Rassismusverständnis", sagte Sprecher Tahir Della.

Della meint: „Aus meiner Sicht muss beim Aufarbeiten beziehungsweise Abbau rassistischer Verhältnisse auch der Bereich Humor in den Blick genommen werden. Wenn diskriminierender Humor normalisiert wird, brauchen wir uns nicht zu wundern, wenn es zu Schlimmerem kommt. Und Traditionen, die diskriminieren, verletzen und ausgrenzen, sind nicht erhaltenswert."

Kein Kommentar von Otto und Drehbuch-Mitautor

Drehbuch-Mitautor Bernd Eilert sagte eine Anfrage zu seinem Otto-Filmklassiker ab. Auch Otto selbst lehnt zurzeit nach Angaben seiner Sprecherin jedes Interview ab. Der 71-Jährige sei zu beschäftigt, drehe unter Corona-Bedingungen "Catweazle". Der Film über den kauzigen Magier, unter anderem mit Julius Weckauf („Der Junge muss an die frische Luft"), soll Weihnachten ins Kino kommen.

Auf Netflix wird „Otto - der Film“ nicht mehr lange zu sehen sein. Ein Sprecher von Netflix für Deutschland, Österreich und die Schweiz sagte, der Film sei zuletzt kaum angeschaut worden und fliege Ende Juli wegen auslaufender Lizenz sowieso aus dem Programm. 

An einer Stelle kommt in „Otto - der Film" Rassismus sogar zur Sprache. Als Otto in einer Rockerkneipe über die Witzfrage „Wie pinkelt ein Eskimo?" und aus der Hose fallende Eiswürfel lacht, bekommt er gesagt: „Uralt und außerdem rassistisch."

>> Bericht in „tip Berlin

(APA/dpa)