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Landeier und graue Mäuse

Nicht alles war schlimm und böse in Hollywood. Das zeigt der Briefwechsel zwischen Katharine Hepburn und ihrem Liebhaber Howard Hughes, der jetzt unter den Hammer kommt.

Es gab Zeiten, da war der Umgangston samt Briefwechseln in Hollywood von ausgesuchter Höflichkeit. Wir wollen nichts beschönigen: Nicht, dass in den 1930er-Jahren nicht die Besetzungscouch existiert hätte; dass Brünette zu Blondinen mutierten, versehen mit neuem Namen, und Homosexuelle Scheinehen eingingen.

„My most excellent Boss“: So liest sich die Anrede einer Diva an einen Filmmogul. Wer die Absenderin des Liebesbriefs kennt, weiß, dass darin höhere Ironie steckt. „Brillant wie Einstein“, „grazil wie eine Gazelle“: Hochfahrend und übermütig wie die Absolventin eines liberalen Neuengland-Colleges verulkte Katharine Hepburn Liebhaber Howard Hughes. Das geht aus Briefen und Notizen aus dem Nachlass des neurotischen Tycoons hervor, die inklusive Verlobungsring jetzt unter den Hammer kommen und als „juicy“ gelten.

Als Traumpaar gingen Hughes und Hepburn nicht in die Annalen Hollywoods ein, vielmehr als exzentrisches und flamboyantes. Davon erzählt Martin Scorsese in „Aviator“. Das Drehbuch des Lebens verhieß kein Happy End, auch nicht mit ihrem späteren Film- und Lebenspartner Spencer Tracy. „It's complicated“, wie es neuerdings heißt. Ihre Briefe unterschrieb die Hepburn übrigens als „C. Mouse“, als „Country Mouse“. Ein Understatement: Als ob sie je ein Landei oder eine graue Maus gewesen wäre.