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Südkaukasus

Gefährlicher Schusswechsel zwischen Baku und Jerewan

Ein Standbild aus einem vom aserbaidschanischen Verteidigungsministerium veröffentlichten Video, das einen Angriff auf armenische Ziele.
Ein Standbild aus einem vom aserbaidschanischen Verteidigungsministerium veröffentlichten Video, das einen Angriff auf armenische Ziele.APA/AFP/Azerbaijani Defence Mini
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Seit Sonntag kommt es zu Gefechten an der Staatsgrenze der beiden Nachbarn. Aserbaidschans Präsident hatte zuletzt mit einem Rückzug aus den Friedensverhandlungen gedroht. Die EU und Russland rufen zur Zurückhaltung und zu Gesprächen auf.

Es ist nicht das erste Mal, dass zwischen den verfeindeten Nachbarn Armenien und Aserbaidschan im Sommer die Wogen hochgehen. Doch dieses Mal ist nicht die umkämpfte Region Berg-Karabach Schauplatz von Zusammenstößen, sondern die armenisch-aserbaidschanische Staatsgrenze. Das ist neu - und gerade deshalb so besorgniserregend. Die Gefechte finden in der Region Tawusch nordöstlich von Jerewan bzw. in der Region Tovuz im Nordwesten Aserbaidschans statt.

Seit Sonntag kommt es zu bewaffneten Auseinandersetzungen, bei denen bisher vier armenische Militärangehörige sowie mindestens sieben aserbaidschanische Soldaten und ein aserbaidschanischer Zivilist ums Leben kamen. Russland und die EU riefen die Konfliktparteien zur Zurückhaltung und zu direkten Gesprächen auf.

Der Auslöser für die jüngste Eskalation ist umstritten. Von armenischer Seite wurde gemeldet, dass ein aserbaidschanisches Militärfahrzeug die Staatsgrenze überquert hätte. Jerewan beschuldigte Baku schon im März, sein Staatsgebiet in der Region „infiltrieren“ zu wollen.

Gegenseitige Beschuldigungen

Baku weist den Vorwurf zurück und machte armenischen Artilleriebeschuss für das Aufflammen des Konflikts verantwortlich. Nach armenischen Angaben beschoss Baku am Dienstag die grenznahe Stadt Berd mit Kampfdrohnen. Später gab das Außenministerium in Jerewan bekannt, seinerseits gegnerische Stützpunkte zerstört zu haben.

Die Eskalation passiert nur wenige Tage nach der Drohung des aserbaidschanischen Präsidenten Ilham Alijew, sich von den internationalen Vermittlungen zurückzuziehen. Der Krieg um die aserbaidschanische Exklave Berg-Karabach endete 1994 mit einem brüchigen Waffenstillstand. Immer wieder flammt der Konflikt an einzelnen Orten auf. Im Frühling 2016 kam es zuletzt zu mehrtägigen Gefechten.