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Als Marktführer ausnahmsweise nicht scheitern

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Kolumne "Hirt on Management": Folge 129. Wie Sie ihr Unternehmen neu erfinden, obwohl es Tonnen von Ballast mitschleppt – Teil 1.

Warum ist es für marktführende Unternehmen oft so schwierig, neue Technologien und Arbeitsweisen einzuführen? Wie kann man es trotzdem schaffen?

Harvard-Professor Clayton Christensen hat sich mit diesem Thema intensiv beschäftigt und ist zu einem erstaunlichen Ergebnis gekommen.

Erfolgreiche, ja selbst marktführende Unternehmen, die hoch professionell und wohl überlegt agieren, scheitern trotzdem immer wieder, wenn neue Wettbewerber mit neuen Technologien in ihrem Markt auftauchen.

Warum Marktführer scheitern

Das liegt u.a. an folgenden Problemen, die dazu führen, dass kaufmännische Entscheidungen, die kurzfristig als lehrbuchmäßig richtig erscheinen, mittel- und langfristig zur desaströsen Ergebnissen führen:

Follow the Money

Die fetten Boni und Erfolgsprämien der Manager in der Stammorganisation, an die sich alle über die Jahre gewöhnt haben, fördern die Aufrechterhaltung des Status Quo, um jeden Preis.

Auf den Kunden hören funktioniert hier nicht

Die Stammorganisation ist gewohnt auf den Kunden zu hören, bei neuen Technologien können sich die Kunden aber oft noch gar nicht vorstellen, was alles möglich ist, daher müssen die Anbieter für die Kunden vorausdenken. Das sind die Mitarbeiter der Stammorganisation oft nicht gewohnt.

Peanuts

Die Märkte, Umsätze und Margen, die in den ersten Jahren in der neuen Technologie erreicht werden können, sind im Vergleich zur alten Technologie und den Zahlen der Stammorganisation, Peanuts. Diese kleinen Volumina interessieren in Wirklichkeit wenige Manager aus der Stammorganisation, beziehungsweise kann man damit keine gescheiten Bonus auf die altgewohnte Art verdienen.

Bananaware

Die Produkte der neuen Technologie, sind erst ganz am Anfang ihrer Lernkurve, während die Produkte der alten Technologie bereits ganz am Ende ihrer Lernkurve sind.

Das bedeutet, zum Beispiel, dass typischerweise die Qualität und Zuverlässigkeit der Produkte der neuen Technologie, deutlich geringer ist, als die Qualität und Zuverlässigkeit, der Produkte der alten Technologie.

Deshalb hütet sich normalerweise die Vertriebsorganisation der Stammorganisation die Produkte der neuen Technologie zu verkaufen, weil sie Angst hat, die bestehenden Kunden zu verärgern.

Legacy Assets

Die Stammorganisation ist real und emotional vollkommen in die bestehende Organisation und in die bestehenden Strukturen investiert und kommt meist auch bei den ehrgeizigsten Versuchen out-of-the-Box zu Denken, nicht aus der Box heraus.

Warum die neue Technologie nicht vom Fleck kommt

Alle diese Rahmenbedingungen führen dazu, dass immer weiter in die Stammorganisation und bestehende Technologie investiert wird und die neue Technologie nicht vom Fleck kommt.

Beziehungsweise kommt die neue Technologie sehr wohl vom Fleck, aber bei den agilen neuen Wettbewerbern und nicht bei den bisherigen Marktführern.

 

Das Wichtigste in Kürze

Marktführer scheitern meist bei der Einführung neuer Technologien und Arbeitsweisen, weil Ihr gesamtes System auf inkrementelle Verbesserungen und Erhaltung des Status Quo ausgerichtet ist.

 

In der nächsten Kolumne beschäftigen wir uns damit, wie man es trotzdem schaffen kann, also erfolgreichen Strategien bei disruptiven Technologien und neuen Wettbewerbern.

 

Schicken Sie Ihre Fragen an Michael Hirt an: karrierenews@diepresse.com

Die Fragen werden anonymisiert beantwortet.

 

In der nächsten Kolumne beschäftigen wir uns damit, warum es für marktführende Unternehmen oft so schwierig ist, neue Technologien und neue Arbeitsweisen einzuführen und wie man es trotzdem schaffen kann.

Hier finden Sie die gesammelten Kolumnen.

Michael Hirt ist Managementexperte und -berater, Executive Coach, Keynote Speaker und Buchautor. Hirt verhilft Führungskräften zu außergewöhnlichen Leistungs- und Ergebnissteigerungen, mit hoher Auswirkung auf den Erfolg ihres Unternehmens. Er studierte in Österreich, den USA (Harvard LPSF) und Frankreich (INSEAD MBA) und ist weltweit tätig.

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